Wähl den Schorsch
17.10.2008
Man sagt Politikern gelegentlich nach, sie seien, na ja, etwas arbeitsscheu. Manche behaupten, ihr Beitrag zum Wohlergehen Südtirols wäre der konstante Benzinumsatz, der durchs Kutschieren ihrer dicken Audis bestünde. Andere unterstellen dem Bauchumfang unserer Landeswichtigsten unverbindliche Lunchs in Nobelrestaurants mit wichtigen Unternehmern und einflussreichen Geschäftsleuten.
Ich hingegen finde, Politiker zu sein sollte man nicht unterschätzen. Was die alles machen müssen, um aufzufallen – und dann gelingt es ihnen doch nicht ganz, wie eben den Freiheitlichen. So spontan fällt mir keiner ihrer Politiker oder Wahlziele ein, was daran liegt, dass ich die Freiheitlichen spontan mit Ausländerfeindlich verbinde. Und mit dem Versuch, alles und jeden zu verklagen, der sie mit Ausländerfeindlichkeit verbindet. Die SVP hingegen prägte sich in mein Gedächtnis ein als Partei, der niemand vertraut. Werde ich hingegen aufgefordert, spontan an jemanden zu denken, der kategorisch gegen alles ist, fallen mir die Grünen ein. Irgendwo in meinem politischen Bewusstsein wurzelt noch unsere Heidi, Frau Klotz, aber das war’s dann auch mit meinen Kenntnissen. Damit kann man nicht sonderlich angeben, deshalb informiere ich mich seit kurzem online.
Ich versuchte anfangs, die Wahlprogramme der Parteien zu lesen, bis ich nach 4 Seiten Kleingedrucktem noch immer nicht verstanden hatte, um was es eigentlich geht. Dann befasste ich mich mehr mit den einzelnen Kandidaten Evi Mittersteiner fand ich recht hübsch, doch die kandidiert für die Grüne & BürgerListeCiviche. Um mir den Parteinamen merken zu können und unauffällig ins Gespräch einfließen zu lassen, müsste ich ihn auf meinen Handrücken tätowieren.
Dann doch lieber Sven Knoll. Wie nett, dachte ich mir, bei dem Namen trägt er auch noch Seitenscheitel. Doch dann sah ich, dass Svennie für die Süd-Tiroler Freiheit kandidiert UND in der Südtirolerstrasse 13 wohnt.
Leider, Sven, was zuviel ist, ist zuviel.
Politik und Optik, da gibt’s einfach keine Faustregel. Egal ob hässlich oder weniger hässlich, so richtig erfolgreich scheint da keiner zu arbeiten.
Doch nicht nur in Südtirol läuft seit einiger Zeit gewaltig was aus dem Ruder, das Politikdrama spielt sich zwischen Russland und den USA in jedem Staat ähnlich ab. Regierungen halten nicht länger als der Frischkäse vom Iinterspar, Politiker übertrumpfen sich gegenseitig mit Peinlichkeiten, während Europas Wirtschaft langsam, aber sicher, den Bach hinuntergeht.
Bei manchem Koalitionversuch müsste sich der Wähler fragen, ob da alles nüchtern vor sich gegangen ist, was er wahrscheinlich nicht machen wird, da er gerade auf der Suche nach einer Oppositionspartei sein wird. An dem Punkt sollte er sich selbst betrinken, denn wenn man früher zumindest auf eine Partei vertrauen konnte, die gegen alles Veto einlegte, kann man sich heute vor keinem noch so irrsinnigen Gesetz mehr sicher fühlen.
Scheinbar Lösungen anbietend drängen sich nun neue, extreme Parteien auf die Wahlkarten, sprechen von Heimatwerten, Traditionen, Ehrgefühl, von Sicherheiten und von Ausländern, die schuld sind am Bösen der Welt. Und viele glauben den Svens, die glauben machen, dass sie alles besser machen, anstatt sich zu fragen, wie es sein kann, dass in Italiens Regierung das Durchschnittsalter der Senatoren über 80 ist, von denen mindesten 70% vorbestraft sind. Warum deutsche Politiker gegen Homosexualität und Abtreibung wettern, aber selbst uneheliche Kinder haben. Wie Russlands Politik westlich sein soll, wenn Zeitung mit regierungskritischem Inhalt über Nacht aufhören zu existieren. Wie Südtirols Medien neutral berichten sollen wenn Journalisten eine Liste mit „guten“ und „schlechten“ Namen bekommen.
Was auch immer man wählt, es wird bestenfalls das Kleinere Übel sein. Und selbst das ist nur schwer auszumachen.
Wir werden es spätestens wissen, wenn auch die nächste Landesregierung begeistert unsere Autos versteigert und unseren Alkoholkonsum zeitlich regelt.