Von Hobbies und anderen Schikanen
03.12.2008
Manche Menschen verbringen ihr Leben damit, Bieruntersetzer zu sammeln. Oder Zuckertüten, blaue Kugelschreiber oder, den Klassiker, Briefmarken. Sie legen Alben an, die sie unglaublich überteuert in jeder Tabaktrafik finden, kaufen pseudoseltene Exemplare, die sie in jeder Tabaktrafik finden, und fallen auf halbseidene Ebay-händler rein, die sich als Verkäufer in der Tabaktrafik entpuppen. Manchmal treffen sie sich sogar in irgendwelchen Pfarrheimen oder Gasthäusern, um dort kleine Tauschmärkte aufzubauen, gut gekennzeichnet durch handgemalte Pappschilder am Ortseingang.
Die Stimmung vibriert förmlich, Günther sucht verzweifelt eine Pamela-Anderson-Sondermarke, Luise freut sich hingegen einfach nur an den Schönen Bildchen, die auf ihren neuen Marken drauf sind während Hansjörg, sind selbst als Philatelist bezeichnend, alles mit kritischer Miene beäugt. Das klingt langweilig?
Es gibt natürlich auch Menschen, die 4131 Folgen „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“ rückerzählen können. Wie alles begann, ob Oli P. immer schon grottenschlecht spielte, dass J. Gerner nach 4000 Folgen auf ca. 10 uneheliche Kinder rückblicken kann, wobei jährlich ungefähr 2 dazukommen. Sie stellen sich morgens den Wecker, um verpasste Folgen vom Vorabend nachschauen zu können. Kein menschliches Leid ist ihnen fremd, RTL hat in gefühlten 20 Jahren GZSZ jedes Leid und Skrupellosigkeit eingebaut. Von Adoption über Menschenhandel bis Zuhälterei, das gesamte Alphabet der Schicksäle findet sich lehrreich verpackt.
Hat man was nicht verstanden kann man sich das Starmagazin kaufen, darin erzählt Clemens von lustigen Patzern, Caro von ihrer Schwierigkeit, Johns Gürtel zu öffnen und Gerner gibt Beziehungstipps (mit dem Partner reden, Rosenblätter in die Badewanne und den Partner erkundigen). Man kann sich natürlich auch alles in Romanform kaufen und nachlesen, wie Prinzessin Florentina de Montalban herausfand, dass sie keine Bürgerliche ist, sondern ein geheimes Königreich mit unglaublichen Schätzen ihr Eigen nennt.
Andere wiederum vertreiben sich die Zeit (vor allem die Arbeitszeit) mit sämtlichen Arten der Online Kommunikation. Sie bloggen interessante (selten), weniger interessante (selten) und uninteressante (immer) Begebenheiten ihres Lebens, gründen Communities mit interessanten (selten), weniger interessanten (selten) und uninteressanten Namen
(z.B. Sex an the City Fanatics, Bring Back Ally Mcbeal, ROSSINI – Im lovin´ ít, Vespa)
und kommentieren quer durchs Beet andere interessante bis uninteressante Erzählungen. Sie stellen Fotos online, auf denen man sie in jeder Phase ihres Tages sehen kann und erhoffen sich interessante bis uninteressante Kommentare.
Ich würde das wahnsinnig gerne auch tun, sowohl das mit den Briefmarken, das GZSZ-en und all das würde ich schließlich online berichten.
Nur leider schaffe ich das nicht, denn ich bin seit Tagen beschäftigt, meinen in seiner Freizeit trompetenden Nachbarn zu zerstückeln.
Dass das so ne Arbeit ist hätte ja keiner gedacht...