Versand nicht möglich
31.08.2007
Man kann es drehen und wenden wie man will. Schlussendlich habe ich immer die Arschkarte gezogen.
Nach langen, zähen Stunden des Onlineeinkaufes bei Quelle schiebe ich meinen Warenkorb virtuell zur Kasse, um dort festzustellen, dass meine 28 im Warenkorb enthaltenen Artikel nicht zugestellt werden können, da ich mich gerade auf Quelle.de befinde.
Beim Versuch, bei Quelle.it fündig zu werden, scheitere ich jämmerlich. Italien, so stelle ich fest, ist vielleicht modisch top, aber Quelle ist immer noch ein Flop.
Amazon, meine Rettung, beliefert mich dafür seit Monaten äußerst zuverlässig. Nun, als ich vor einiger Zeit aus Geldnot (wir erinnern uns: mein Urlaubskontingent war auch verschwunden) den fabelhaften Gebraucht-Bücher-Markt nutzen wollte, und mich wieder stundenlang um die optimale Buchzustammenstellung bemühte, trat wieder ein, was nicht eintreten sollte: Stunden der Mühe waren vergebens, die Bücher konnten nicht zugestellt werden…. *grrrrr*.
Nach intensiver Zeitungslektüre stellte ich fest (sollte gerade jemand auf der Suche nach dem Partner fürs Leben sein): die optimale Möglichkeit, jemanden anzugraben, bietet sich im Autokino. Oder man macht es sich bei Film&Food auf der Couch gemütlich, lässt sich Sushi oder Pizza liefern. Alles klar: Autokino bedeutet in Südtirol, sich einen tragbaren DVD-Spieler aufs Lenkrad zu schnallen, oder wahlweise das Auto im Wohnzimmer zu parken. Beides sehr romantisch. Pizza könnte man unter Umständen noch geliefert bekommen. Doch in meinem Dörflein hinter den Bergen bei den 7 Kühlein kennt man weder Sushi noch Sushi-Zustellung. Immerhin gibt’s jetzt wieder ein Mc Donalds in Südtirol, willkommen, Zivilisation.
Am Ende der Zeitung werde ich gefesselt von einem tollen Kaffetassen-Set, das man als Hauptgewinn beim Preisausschreiben ergattern kann. Soll laut Beschreibung zu jeder Gelegenheit passend sein, und die Blümchenbemalung sind spülmaschinenfest. Ich löse und rätsle, und, was lese ich bei den Einsendebedingungen? Schweizer dürfen mitspielen, Deutsche dürfen mitspielen, sogar Österreicher dürfen mitspielen, aber die italienischen Tiroler sind mal wieder die Affen, die dürfen nicht mit. Weil die könnten theoretisch ja um ein italienisches Kaffetassen-Set rätseln. Was glauben die, wie gut mein Italienisch ist? Außerdem gibt’s solch geschmackloses Blümchendekor in Italien nicht. Es gibt überhaupt in Südtirol mehr nicht als schon: angefangen vom besagten Autokino, über das Preisausschreiben bis zum nächtlichen Vergnügen (ich musste bis nach Bologna, um Transvestiten Schwanensee-tanzen zu sehen (wobei ich das nicht gezielt wollte (ich wusste nicht mal das Transvestiten Ballett tanzen)).
Da frage ich mich so langsam, wo ich denn als Südtiroler so priviligiert bin...? Die alte Leier von der Zweisprachigkeit lasse ich an dieser Stelle außer acht, denn nach einem intensiven „Gespräch“ mit Calabresen, nachdem ich einfach nur verstanden hatte dass ich nichts verstanden hatte, werde ich mich nicht mehr ernsthaft als zweisprachig bezeichnen. Ich bin einsprachig mit latenter Tendenz zum Verständnis einer zweiten Sprache. Und Englisch, haha, na, die Italiener sollen ja bekannt für die absolute Unkenntnis des Englischen sein, aber die sind ja auch Italiener. Ich hingegen bin nur auf dem Papier Italienerin (aber immer noch mehr Italienerin als sonstwas), aber in Sachen Englisch-Sprachunkenntnis schlage ich jede Nonna bei weitem.
So gesehen tue ich mir als Südtirolerin nun mal richtig leid – aber das schlimmste hätte ich beinahe vergessen... Ich sitze gemütlich vor der Glotze, RTL, blabla, kommt die Werbung... ich schwöre, von den 14 beworbenen Produkten hätte ich mindestens 12 gekauft. Sanftes Volvic-Wasser, den neuen Telefon-Tarif, sogar die Steinofen-Pizza wäre unverzüglich in meinem Warenkorb gelandet – aber nein, von den 12 Produkten müsste ich für 10 ins Ausland verreisen. Ja toll.
Lektion des Monats: Im nächsten Leben besser auf die Auswahl des Staatsbürgerschaft und des Wohnortes achten.