Urlaub für Dummies
17.07.2008
„Wir haben da was reserviert!“, brülle ich meiner erschrockenen Freundin entgegen. Instinktiv reißt sie die Hände in die Höhe und dreht sich fünfmal im Kreis. Ich bin vor Freude den Tränen fast nahe. Das ich das noch erleben darf.
Die Geschichte begann vor 5 Wochen ...
Ich hatte endlich Urlaub bewilligt bekommen. Nachdem ich einige Jahre lang mit Nervenzusammenbrüchen und Antiaggressionsprogramm wegen verspäteter Flugzeiten, verspäteter Koffer, nicht mitgereister Koffer oder, am häufigsten, verpasster oder fast verpasster Flüge zu kämpfen hatte, beschloss ich vor fünf Wochen, nicht zu fliegen. Ich würde bequem im Auto ans Meer reisen.
Und zwar aus sentimentalen Gründen in die Abruzzen, die ich kenne und lieb(t)e.
Meine Freundin kam alsbald aus dem Reisebüro mit etwa 5 Kofferladungen Katalogen zurück. Die freundliche Frau im Reisebüro hatte das mit der umfassenden Kundenbetreuung sehr ernst genommen und Vorschläge zu den Kanaren, Griechenland, allen umliegenden Inseln und allen Ferienbetrieben Italiens zusammengetragen. Da das Angebot also reichlich umfassend schien, beschlossen wir, uns spontan auf der Fahrt für Ort und Unterkunft zu entscheiden. Vier Wochen später, ergriffen vor Urlaubsvorfreude, checkten wir online einige Hotels. Oder zumindest war das unser Vorhaben, denn so wirklich zu checken gab’s nicht wirklich viel. Italienische Hotelbesitzer fahren offensichtlich lieber ihre Porsches in den Alpen spazieren als sich funktionierende Hotelhomepages zuzulegen. Nun fanden wir doch eine recht passable Homepage mit einem recht passablen Hotel zu einem recht passablen Preis. Auf Nachfrage ächzte und stöhnte die Rezeptionistin zwar, schaffte es aber, uns irgendwie noch ein Zimmer zu organisieren. Ein wirklich schön großes, meinte sie, auf der ruhigen Seite gelegen, mit einem großen Bad. Ja super, bedankte ich mich, dann bis übermorgen. Das war der Anlass für obenbeschriebenen Heiterkeitsausbruch.
Übermorgen, nach vielen, vielen, vielen Stunden Fahrt in einem Auto ohne Klima (Stirb langsam Teil 17) kamen wir nach einiger Anreiseschwierigkeit am Hotelparkplatz an. Zumindest war er als solcher gekennzeichnet, denn weder der Parkplatz noch das Hotel waren als solches zu erkennen. Wir standen auf einem Schotterplatz, vor uns eine Ruine, die nur durch das Baugerüst rundum zu stehen schien. Doch das gigantische, blinkende Schild wies es eindeutig als unser Hotel aus. Im Inneren gab es immerhin Strom, denn das Telefon klingelte während unseres Kurzaufenthalts pausenlos. Unser geräumiges, luxuriöses Zimmer war eine Rumpelkammer mit Behindertenbad, der Essraum im Wintergarten war eigentlich das Erdgeschoss, in dem die Fenster fehlten und das Meer war mit bloßem Auge nicht auszumachen. Nun, erklärte die Rezeptionistin, in 400 Metern sei ein Radverleih. Von da an könnten wir über die Felder zum Meer fahren, sollten uns aber von den Bauern nicht erwischen lassen. Auf unsere Aussage, dass dieses Hotel für uns keineswegs in Frage kommen würde, meinte sie, wir hätten keine Auswahl, wir hätten ihr mündlich zugesagt. Ich hatte Mühe, mich nicht an ihrem messerscharfen Verstand zu verletzten, und verließ das Hotel.
Zum Urlaub sei abschließend gesagt: er war schön, das Wetter war schön, das Hotel war schön. Leider war er zu kurz, weil wir exakt 9.4 Stunden mit Hotelsuche verplemperten und teuer, weil wir nur mehr eine schweineteure Suite im drittnächsten Dorf ergatterten.
Nächstes Jahr ist demnach wieder Rhodos angesagt.