Südtirol ist doch ein schönes Land
06.10.2008
Südtirol ist doch ein schönes Land. Das muss mal gesagt werden.
Und nicht nur wegen der Berge und der Sarner, auch wegen ihm:
Dem Papst. Wie stolz war ich zu hören, dass Ratzinger nach Brixen kommt. Er schätzt offensichtlich die Ruhe Südtirols. Verständlich, immerhin sind wir ein Land, indem man von Jugendrevolten höchstens aus dem Radio hört und Graffitis sogar auf dem Bozner Bahnhof vergeblich sucht. Kein Wunder, dass sich der Papst bei uns wohlfühlt, sogar Karl Moick schwärmte für unser Land. Leider konnte ich ihn nie persönlich treffen, meine Online-Verbindung für eine Date-Reservierung funktioniert selten bis nie.
Das Internet. Wir haben in Südtirol ein einmaliges Breitband-Angebot. Sogar Georgien, las ich neulich, hat eine weit höhere Vernetzung. Dabei wusste ich noch nicht mal genau, wo Georgien liegt. Hätte ich gern mal gegoogelt. Vielleicht findet sich morgen ein „Trägersignal“. Bis dahin genieße ich weitere Südtiroler Vorzüge.
Die Vielsprachigkeit. Vielsprachig, wohlgemerkt, nicht nur Dreisprachig, oder gar nur Zweisprachig. Man sollte das nicht so eng sehen, denn wie ich finde, sprechen wir viel mehr. Wir unterscheiden schon nur mal zwischen Bozen Stadt und Gries, Haslach, Unterlandlerisch, Meranerisch, Vinschgau oben und unten und gach epper ganz oben, Sarnerisch, das lama geila Pustererisch und noch vieles mehr, von dem ich gar keine Ahnung habe. Manche von uns können sogar fragmentarisch hochdeutsch. Aber wir wollen mal nicht zu viel fordern. Meine Mitbewohnerin meint dazu: „Puktana, san mir multilinguale“
Night-Life: Die Auswahl ist ungefähr so umwerfend wie die Breitband-Vernetzung. Fast 500.000 Südtiroler können sich in 9 Diskotheken austoben, wen wundert’s, dass man auf dem Oktoberfest mit großer Wahrscheinlichkeit seinen Nachbar, den ehemaligen Therapeuten, 3 Cousinen 2. Grades und den Ex der Freundin trifft? Das liegt wohl auch insgesamt am
Angebot: sowohl kulturell aus auch in den Läden – Südtirol braucht den internationalen Vergleich nicht scheuen. Immerhin kam 2007 Bryan Adams zu uns. Wir haben die Kastelruther Spatzen und die Vinschgauer, außerdem ist Markus Lanz auch einer von uns, auch wenn er das niemals freiwillig zugeben würde. Sogar „Wetten, dass...?!“ hat sich vor einigen Jahren für Südtirol aus Austragungsort interessiert. Wahrscheinlich scheiterte eine Kooperation an der mangelhaften Internetverbindung. Oder am Fakt, dass Thomas Gottschalk in jedem zweiten Laden zu hören bekommen würde: „Leider gibt’s dieses Modell nur in Deutschland.“ oder „ Diese Linie führen wir hier nicht. Nein, leider auch sonst niemand in Südtirol. Nein, ich weiß nicht, wo sie etwas Ähnliches bekommen.“ Ähnliches hört man auch gerne an der FUB, der
Freien Universität Südtirols. Ein Wahnsinn, meinen Kritiker und Bewunderer. Ob es nun ein elitärer Wahnsinn ist, der Südtirols Intellektuellen- und Wissenschaftsstatus aufwertet, oder ein wahnwitziger Versuch, so zu tun als ob, darüber scheiden sich die Geister. Etwas Elitäres muss es auf jeden Fall sein, denn wenn man für 1300 Euro Studiengebühren noch verpflichtet wird, bei mindestens Dreiviertel der Vorlesungen körperlich anwesend zu sein, dann kann man in jedem Fall von einer Ausnahmeuniversität sprechen.
Das Panorama. Wenn wir von Panorama sprechen, meinen wir eigentlich Berge. Berge links, rechts, vor uns oder hinter uns. Etwas anderes bekommen wir hier nicht zu sehen. Und weil es so viele sind, kenne ich immer noch nicht den Unterschied zwischen Rosengarten und Latemar. Immerhin weiß ich seit kurzem (Google sei Dank), dass Anden und Alpen nicht dasselbe sind.
Wenn also das nächste Mal der Papst zu uns kommt, werde ich mir mit meiner rasend schnellen ADSL-Verbindung ein privates Treffen buchen, Ratzinger und ich werden uns in einer der vielen exklusiven Boutiquen passend für eine lange Nacht einkleiden, und nachdem wir am nächsten Morgen verkatert eine Univorlesung schwänzen erkläre ich ihm den Unterschied zwischen Weiß- und Schwarzhorn. Das wird ein Spaß.