Sara und die schlauen Männer
26.08.2011
Meine Schwester ist zum zweiten Mal in der derselben Klasse durchgerasselt. Nun könnte man meinen, sie würde sich am Riemen reißen und es ausnahmsweise mal mit Intelligenz versuchen.
Doch es scheint, als wäre es für sie zu anstrengend, auf den Anschaltknopf ihres Denkens zu drücken. Vielleicht weiß sie nur nicht mehr, wo sie den finden könnte. Es könnte aber auch sein, dass der dritte tägliche Joint auch nicht unbedingt förderlich ist. Warum auch immer Sara und die Intelligenz zwei nicht miteinander verbindbare … „Zustände“ sind, wird wohl auch weiterhin ein Rätsel bleiben. Das hält meine Tante aber nicht davon ab, das bekiffte Etwas in blauem Dunst zu jedem erreichbaren Psychologen zu schleppen. Und seid gewarnt – davon gibt es mehr als auf den ersten Blick ersichtlich:
... Kinderpsychologen
... Paartherapeuten
... Motivationspsychologen
... Systematische Analysten
... Psychiatern
... Jugendpsychologen
... Angsttherapeuten
Das sind nur mal die, welche die Ehre hatten, meine Schwester kennenzulernen.
Nun will ich nicht voreilig sein – stundenlanges Seelenzupfen und Egostreicheln mag durchaus seine Berechtigung haben… aber was um Himmels Willen soll das bringen? Wird dadurch meine Schwester schlauer? Disziplinierter? Zielstrebiger? Ist es nicht vielmehr einfach eine bequeme Ausrede?
Meine Schwester jedenfalls hat es sich bei ihrem Therapeuten inzwischen gemütlich eingerichtet – mit Espressomaschine, I love NY-Aschenbecher und Stammplatz auf der Couch bezahlt sie für eine Stunde Aufenthalt ja nur fürstliche 80€, ein glattes Schnäppchen. In dieser Stunde wird also nur über sie geredet – über ihre Kindheit, ihre Jugend, ihre Pubertät, doch nicht nur. Über jeden Kommentar, mit welchem sie vielleicht mal gekränkt wurde, jede unüberlegte Gesten ihres Gegenübers, über gemeine Lehrer, überhebliche Freunde oder auch arrogante Mitschüler. Eine volle Stunde lang suhlt sie sich in Selbstmitleid um dann wahrscheinlich eine Erklärung zu erhalten, warum sie so ist wie sie ist.
Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen – was bringt das Ganze? Wird sie deswegen besser in der Schule? Zielstrebiger? Weniger Gras, mehr Spaß (am Lernen)?
Mir scheint vielmehr, sie sieht sich nun in ihrem Rumhängen und „auf-bessere Zeiten-Warten“ bestätigt – weil sie als 5-jährige vom Fahrrad gefallen ist, als Zweitklässlerin wegen ihrer Frisur gehänselt wurde oder als Mittelschülerin durch die Fahrradprüfung gefallen ist. Wer tief genug gräbt, findet irgendwann sicher irgendwas.
Ich mag ja unsensibel und so was von altmodisch sein – aber hat rigoroses Taschengeldstreichen nicht vielleicht den besseren Erfolg?
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