Passiert das nur mir?
09.03.2011
Letzten Samstag auf dem Weg zu IKEA. Ich brauche unbedingt einen Billy, gezielt und ohne Umwege.
Billy, weiß, 2,16 m hoch und 60 cm breit. Wohlgemerkt: gezielt und ohne Umwege.
Doch noch ehe ich richtig zum Nachdenken komme, klemme ich mir zwei Pakete Servietten unter den Arm und habe obendrauf zwei formschöne Kerzenhalter gestapelt, die so fantasievolle Namen wie »Flamme« oder »Brenno« tragen. Spätestens der Flickenteppich »Ralf«, der ständig von diesem Stapel herunterpurzelt, zwingt mich, einen Einkaufswagen zu nehmen, und damit sind alle Dämme gebrochen.
Topf um Topf (»Krukan«) und Lampe um Lampe (»Brotorp«) finden sich auf dem Einkaufswagen ein.
Als die Dame neben mir ihrem Mann “Da schau, Schatzi, die Gardine würde doch gut ins Kinderzimmer passen!“ zuruft, brauche ich unbedingt auch so eine Gardine, außerdem noch eine Wippbanane, die Käferlampe, diverse Stapelboxen und eine ganze Garnitur Spielzeug. Kost ja nix. Die niedlichen Kuschelkängurus kann man eigentlich auch nicht hier lassen.
Doch, im Auto hat das Platz. Außerdem hab ich jetzt ja alles. Dachte es, und verschwand im Erdgeschoss.
Da ging’s erst richtig los: zu den Servietten gibt es farblich passende Platzsets, zu den Platzsets passende Aperitifgläser, dazu die farblich abgestimmten Kaffeetrassen und, nein, da hinten gibt’s noch die passende Badezimmerserie.
Der steinerne Torso »Ingress«, muss auch noch mit, den kriegt Tante Gertrud zum runden Geburtstag. Außerdem ist man ja nicht jeden Tag bei IKEA.
Zum Glück befinde ich mich in Kassennähe, denn recht viel weiter schafft’s der Einkaufswagen nicht mehr. Die etwa zwei Stunden in der Kassenschlange verbringe ich mit Sinnvollem und lade weiter Nützliches und Dekoratives in den Wagen. In meiner Vorstellung formt sich das Bild meines neuen Zuhauses, mit zu Badezimmerteppichen passenden Tassen und zu Tassen passenden Vorhängen und zu Vorhängen passenden Menschen. Dass weder ich noch meine Wohnung (klein, alt, grau) in diese Vorstellung passen, sondern ein Werbebild der „Schöner Wohnen“ vor meinem geistigen Auge erscheint, schreckt mich nur kurz ab. Dann schon eher der vierstellige Betrag an der Kassa. Und das Bild des vollgeladenen Einkaufswagens vor meinem Kofferraum in Erbsengröße.
Nach gefühlten eineinhalb Stunden und etlichen „So geht’s gar nicht, alles wieder raus und von der anderen Seite rein“ geht’s über den schönen Brenner durch 3 Staus wieder nach Hause. Auf halber Strecke fällt es mir wie Schuppen vor die Augen: Billy! Den habe ich glatt vergessen.
Tipp am Rande:
- Nicht samstags zu IKEA!
- Wenn doch, nicht am ersten Samstag des Monats. Denn da trifft man alle jene, die am Monatsanfang frisches Geld bekommen.
- Auch nicht am ersten Tag des Monats. Da hat gut die Hälfte der IKEA-Mitarbeiter ihren allerallerersten Arbeitstag, was zu gewissen Verzögerungen im Gesamtablauf führen kann.