Mein Drucker
30.05.2008
Zum tieferen Verständnis der folgenden Zeilen ist es wichtig zu verstehen, dass dem Verfasser sämtliche Fachbegriffe fehlen.
Es geht um meinen Drucker. Ich habe eigentlich gar keinen, mein Vater hat einen. Einen von der Sorte, die 1375 gebaut wurden und seit dem frühen 20. Jh. eigentlich aus dem Verkehr gezogen wurden. Er druckt ausschließlich S/W, wie gesagt wurde er sicher erbaut bevor das Farbfernsehen kam. Als mein Vater ihn wahrscheinlich vom Sperrmüll nach Hause brachte, mussten wir erst mal einen halben Hochschrank freimachen, um das Ding reinzukriegen. Danach riefen wir unseren Tischler an, der sollte den Regalboden reparieren, der unter dem Gewicht des Druckers zusammengebrochen war. Aber er war gratis, der Drucker. Der Regalboden kostete meinen Vater um die 55 Euro.
Aber wie mein Vater schon immer zu predigen pflegte: Seid sparsam, die mageren Jahre kommen bestimmt. Nun haben wir diesen fantastischen Drucker der gratis war, und auch noch den fantastischen Rat (Befehl) meines Vaters, nicht unnötig Papier zu verplempern. Weniger wegen der Regenwälder, denn der höheren Kosten.
Strikte Regel: erst im Papiermüll wühlen und nach einseitig bedrucktem Papier suchen. Dies wird nun mit der bedruckten Seite nach oben in den Drucker gelegt, so kann die leere Seite noch optimal genutzt werden. Und man spart sich ca. 3 Cent. Natürlich gilt das nur, wenn man nicht die bedruckte Seite nach unten einlegt und einen 12seitigen Internet-Vertrag ausdruckt.
Es wäre, meint mein Vater, auch besser, längere Dokumente bei Freunden auszudrucken. Spart Tinte und einseitig bedruckte Blätter. Und man umgeht den obligatorischen Papierstau.
Den gibt’s nämlich immer ab einem Druckauftrag von 3 Seiten. Papierstau bedeutet: Kreuzschlitz-Schraubenzieher holen und das gesamte Gehäuse abmontieren. Anschließend die Rollen raushebeln, das verhedderte Papier rausreißen, mit einer Pinzette die Reste chirurgisch entfernen und anschließend noch am Toner zu streifen und bis zu den Ellbogen geschwärzt alles wieder möglichst an seinen Platz zu schrauben. Also ab besten jede Seite einzeln drucken, und dazwischen immer überprüfen, ob die zu bedruckenden Blätter auch ganz gerade und flach im Papierbehälter liegen. Spart tatsächlich Zeit und Nerven.
Neulich druckte er nur mehr jede vierte Zeile fragmentarisch ab. Klarer Fall von leerem Toner. In drei Bürozubehörläden gab man vor, noch nie von einem Drucker dieser Marke gehört zu haben, während im letzten der ältere Herr sich noch schemenhaft an eine solche Marke zu erinnern glaubte. Tatsächlich fand ich einen Onlineshop, der solch antiquierte Produkte noch im Angebot hatte. Der Versuch, das neue Teil einzubauen, endete katastrophal. Langer Rede kurzer Sinn – nach vielen Recherchen und noch mehr Kosten brachte ich das Teil wieder zum Drucken, zumindest vorerst.
Nicht ganz so glatt liefs mit der Waschmaschine, dir mein Vater mir gebracht hatte (auch gratis). Nachdem sie mir in meine schönsten Teile Rostflecken eingewaschen und Löcher eingerissen hatte, ließ ich sie direkt auf den Sperrmüll weiterliefern, Antik hin oder her.
Neulich bot er mir einen Ciao an, mit dem man allerdings die 30km/h nicht überschreiten sollte – das Vorderrat sei in einem zweifelhaften Zustand. Ich lehnte es dankend ab, mein älterer Nachbar hingegen stürzte sich mit sichtlicher Begeisterung drauf.
Schätzen wir solche Dinge zu wenig? Sind wir schon gewohnt, über alles neu, schnell und billig zu verfügen, dass wir Gebrauchtes noch nicht mal wollen, wenn wir es geschenkt bekommen?
Mein Vater brachte gerade ein Faxgerät, „etwas“ älter zwar, aber größtenteils noch funktionsfähig, meint er. Ich denke, ich werde es behalten. Ist ja gratis.