Klauen vs. Sprayen
11.08.2009
Es gibt Dinge, die lassen einen älter fühlen als man ohnehin schon ist.
Man solle sich zum Beispiel nicht mehr in Südtiroler Diskotheken wagen, wenn man über 15,5 Jahre alt ist, keine Wettläufe gegen Zehnjährige veranstalten, wenn man mehr als 12 Zigaretten täglich inhaliert, oder man sollte sich nicht mit den Spleens der neuen Jugend auseinandersetzen. Denn die sind so sinnlos wie unverständlich. Mein Cousin, kürzlich stolze 15 geworden, ist seit neuestem Sprayer.
Er konnte sich nicht für normale Jugendsünden entscheiden. Trinken. Rauchen. Kiffen. Alles Dinge, die ich persönlich ihm eher nahegelegt hätte. Klauen. Trampen. Dinge, die ich ihm persönlich nicht so nahegelegt hätte.
Aber Sprayen??
Warum ?
Man läuft nachts durch die Straßen, bzw durch drei Straßen eines Dorfes, in der Hand eine Spraydose, die man auf keinen Fall im Dorfladen kaufen darf, und sprüht irgendwas auf ein öffentliches Gebäude.
Mit Sicherheit was unglaublich Grausiges, sicherlich auch was unglaublich sinnloses und noch sicherlicher, äußerst teuer, wenn es bekannt wird. Denn mein Cousin, offensichtlich die Intelligenz in Person, sprayt nicht nur an Häuserwände, Garageneingänge, oder Bushäuschen, er sprayt auch an öffentliche Gebäude. An Schulen, Kindergärten, Feuerwehrhallen und Polizeikasernen.
Er malt noch nicht mal Blumen, Figuren oder auch nur im Ansatz künstlerische Malereien, er schmiert nur vor sich hin.
Nun, um mal nicht gänzlich abwertend zu schreiben, ich habe nichts gegen moderne Kunst. Nichts gegen urbanen Style. Ich weise hier auch darauf hin, dass selbst die Wandmalereien vor 31 500 Jahren die menschliche Kultur zu zivilisieren begann. Selbst Michelangelo stellte in seiner Sixtinischen Kapelle ein Graffito her.
Doch die Schmierereien in und um meinen Cousin sind einfach nur destruktiv. In Deutschland diskutieren Politiker neuerdings, ob man zur Strecke gebrachte Sprayer dazu zwingen sollte, ihr Spraywerke wieder abzuschrubben.
Ich werde meinem Cousin schon mal Eimer und Seife bereitstellen.