K.aiser, der scheißer, hat angst vorm erwachsenwerden
27.01.2012
Neulich las ich von einem, der schon als Kind erwachsen war.
Er rauchte nicht, trank nicht, zündete nichts an, sogar seine Berufswahl war als Kind schon unangemessen vernünftig: Sozialarbeiter. Dass er in einem Indianerreservat Sozialarbeiter werden wollte, machte es einzig ein bisschen unvernünftig.
Er war, schreibt er, vernünftig, vorsichtig, total verträumt und glücklich. Und eben einfach schon immer erwachsen.
Nun frage ich mich, was man sich dabei denken soll, wenn man de facto und tatsächlich erwachsen ist, sich aber noch immer nicht vernünftig, vorsichtig, verträumt oder glücklich (außer in Ausnahmefällen) fühlt? Ich meine das jetzt nicht kokettierend wie manch andere, die verspießt bis zum Volvo in der Garage sind, aber meinen, mit einem bunten Haarband zu den Hippies gezählt zu werden. Nichts gegen Volvo, immer noch besser als einen Golf mit „nur meine Oma liegt tiefer“-Aufkleber zu fahren…
Aber wie wird man denn nun erwachsen, wenn man nicht als solcher geboren wird? Mit einem Freund habe ich mir notiert, welche Parameter beim Erwachsensein gelten:
- absolute Sicherheit in Allem und jeder Situation
- keinerlei Selbstzweifel
- immer ein Paar Handschuhe in der Winterjacke
- regelmäßige Besuche beim Zahnarzt
- pünktliches Bezahlen der Rechnungen
- über den Dingen stehen
- pünktlich sein
- verlässlich sein
- gerne die Hausarbeiten erledigen
- nicht unkontrolliert Shoppen
- Geschwindigkeit nicht übertreten
- sich gesund ernähren
- nicht rauchen / Raucher abstoßend finden
- absolute Unkenntnis über jegliche Form des Betäubens durch Rauschmittel
- keine Nachtclubs besuchen
Die Liste wurde 3 Seiten lang, der Succus war: Erwachsen werden bedeutet, immer 2 gleiche Socken tragend 5 Tage je 8 Stunden pro Woche arbeiten, in den Ferien nach Bibione fahren, 2 mal monatlich Samstag abends Pizza essen und 3 mal jährlich zum Fox tanzen wahlweise ins Nörder oder Max gehen. Die Auswertung war also verheerend, und wir fragen uns noch immer, was wir falsch gemacht haben – wir würden tatsächlich gerne erwachsen werden, doch wie wird man das, ohne sich einen Stock in den Hintern zu schieben und wenn man zum Lachen nicht in den Keller will?
Kann man als Erwachsener auch weiterhin heimlich Tiefschnee fahren und sich beim Après Ski anschließend einen hinter die Birne kippen? Oder mit dem neuen Auto auf der Mebo stehen bleiben, weil man kein Geld mehr fürs Benzin hat? Wird man von ganz alleine erwachsen oder sollte man einen Kurs belegen? Etwa „Sozialkompetenzen stärken“, oder „Im Einklang mit der inneren Stimme leben“. Darf man als Erwachsener den ganzen Sonntag noch im Pyjama auf der Couch verbringen, sogar wenn draußen die Sonne scheint?!
Was meint ihr? Lohnt es sich überhaupt, erwachsen zu werden?