Jugendlicher Amoklauf
24.03.2009
Ein schwarz bekleideter Jugendlicher stürmt ins Klassenzimmer, zieht eine Waffe, zielt und drückt ab. Immer wieder. Wechselt Klassenraum. Zielt, drückt ab. Rennt auf die Strasse, zielt und drückt ab. Bis er schließlich die Waffe gegen sich selbst richtet. Zielt, und drückt ab.
Geschah 2009, 2008, 2007, 2006, ... geschieht immer wieder.
Und immer bleiben alle ratlos. Doch zu sagen hat jeder was.
Das, so meinen alle, sind eben diese Jugendlichen, die ihr Hirn mit Killerspielen vollmüllen. Die sind so labil, dass sie Wahrheit und Fiktion nicht mehr unterscheiden können. Die Lösung, meinen sie, sei es, Killerspiele zu beschränken, zu kontrollieren, Waffen besser zu sichern. Schulen mit Metalldetektoren auszustatten.
Jugendliche am besten wöchentlich zur Therapie zu schicken.
Eben diese Argumente schüren mein selten vorhandenes Aggressionspotential. Scheinbar überspringen alle heute Erwachsenen das Jugendlichendasein, wachsen vom Kind direkt in die Volljährigkeit und in die totale geistige Reife.
Offenbar hat keiner von Denen nächtelang um seine Lebenspunkte bei Ego-Shooter gekämpft, mit Motorsägen und Scharfschützengewehren Bedrohungen abgewehrt. Die hatten auch keinen Italienischlehrer, der sie bei jeder Prüfung schon vor der Prüfung durchrasseln lies, und keine jagdbegeisterten Eltern, die ihre Schrotflinte neben die Waschmaschine parkten und ihre Kleinkaliber in einer !!Socke!! versteckten.
Überraschung, ich hatte all das.
Ich hatte(habe) sogar eine labile Psyche (haben wir die nicht alle). Ich hatte eine für alle anstrengende pubertäre Phase, viele Killerspiele, viel Labilität, erreichbare Waffen und gegen ca. 98% aller über 30-jährigen Hassgefühle. Und, hey, ist das nicht das Recht der Jugendlichen? Dürfen die nicht alle hassen und nächtelang zocken? Und können wir was für unsere Eltern, die darauf vertrauen, dass man ab 15 zwischen einer virtuellen Kalaschnikow und einer realen Schrotflinte unterscheiden kann?
Irgendwas lief mit mir anscheinend schief. Statt in meiner Schule Leute umzuballern träumte ich höchstens davon, während des gehassten sonntäglichen Kirchenbesuchs über die Bänke und den Altar zu springen. Und auch das ging vorbei. Seit ich vor 5 Jahren das letzte Mal in einer Messe war. Wir werden älter, wir werden schlauer und statt Ego-Shooter facebooken wir. Und noch immer haben wir niemanden abgeschossen.
Denn um Leute umzubringen braucht man mehr als pubertäre Instabilität, Killerspiele und eine verfügbare Waffe. Man braucht ein krankes Hirn. Darüber sollte man mal nachdenken. Wenn möglich, bevor sich das Ganze 2010 wiederholt.