Jemandem alles Gute
03.03.2010
Es war ein langer, sportlicher Tag. Viel Schnee, warme Sonne, gute Piste, schnelle Skier. Die letzte Fahrt war in Sicht, die Talstation nur mehr einen Steinwurf entfernt. Liegender Jemand rechts von mir, kopfwärts nach unten, Arm verdreht. Komisch, dachte ich noch, als ich vorbeifuhr, dann dachte ich an den restlichen Tag ...
1 Minute später, nachdem ich den Hang wieder rauf gerannt war, kniete ich neben Jemand, der nicht mehr atmete, Gesicht blau, Krampfanfall, Atemstillstand nach wahrscheinlichem Sturz auf der Piste. Der Jemand biss sich während des Krampfes immer wieder auf die Zunge im verzweifelten Kampf um Sauerstoff. Kein Bewusstsein. Die 118 ließ auf sich warten. Ein skifahrender Arzt und meine Schwester, ihres Zeichens Krankenschwester, stabilisierten Jemand und halfen ihm zurück ins Bewusstsein. Als endlich der Hubschrauber kam, hatte sich bereits eine Traube an Menschen um uns gebildet.
Nachdem Jemand gestürzt war, und am Boden liegend, bereits mehr tot als lebendig ums Leben kämpfte, fuhren Massen an Skifahrern vorbei. Vielleicht dachten sie an die weitere Tagesplanung, ihren Kontostand oder summten den Ohrwurm der letzten Skihütte. Sie fuhren vorbei an Jemand, weil er ja nicht zu Ihnen gehörte, weil sie den letzten Bus noch erreichen oder schnell zum Apres Ski wollten.
Vielleicht liegt Jemand im Krankenhaus und kann morgen entlassen werden, weil noch mal alles glimpflich abgelaufen ist.
Vielleicht liegt Jemand im Krankenhaus und muss mit bleibenden Gehirnschäden weiterleben, die zu langer Sauerstoffmangel verursacht hat.
Vielleicht liegt er in der Leichenhalle, weil er an inneren Blutungen starb.
Vielleicht sind zu viele daran vorbeigefahren, weil sich jeder erstmals um seinen eigenen Scheiß kümmert. Auch ich.