Ja-Sager
22.06.2009
15 Meter lagen zwischen mir und Mutter Erde. Zehn Meter freier Fall, fünf zu vernachlässigende Meter zum Grund des Lidos. Überhaupt kein Problem. Für mich. Scheiße. Ich würde mir den Hals brechen. Wenn ich es überhaupt ohne Pipi in die Hose zu machen übers Brett schaffte, würde ich mit einem Bein hängen bleiben und für zwei Stunden kopfüber in luftiger Höhe pendeln. Oder den Rest des Tages. Oder ich würde es in eleganter Bauchlage ins Wasser schaffen. Oder in eleganter zusammengerollter Kugelform ins Wasser fallen, wo mir 14 Liter chlorgetränktes Wasser durch die Nase das Hirn schwänzen würden.
Klang alles nicht so übel. Verdammt, warum kann man in entscheidenden Situation "Nein" denken, aber plötzlich kommt ein qietschiges "Ja" heraus?!
Mein Neffe fragt: Kannst du vom Zehn-Meter-Brett springen?
Meine Mutter fragt: "Kannst du mal eben das Abflussrohr reinigen?
Mein Professor fragt: "Schaffen Sie die Arbeit in drei Tagen?
Mein Arbeitgeber fragt (indirekt): " Kannst du nächsten Monat mal eben 621 Überstunden machen?"
- Antwort: " Kein Problem."
Meine Bank fragt: Können Sie das Minus auf ihrem Konto in den nächsten 10 ausgleichen?
Mein Nachbar fragt: " Kannste mir helfen, die Waschmaschine eben hochzutragen?"
- Antwort: "Mit dem kleinen Finger, wenn du willst"
Ich schleppe das Scheißding hoch, wuchte es über die Badewanne, quetsche mir den Finger, werde des unsachgemäßen Waschmaschinen-Transports beschuldigt und muss in zwei Wochen meine Schulter operieren lassen. Minütlich schellt mein Handy, weil 1. meine Bank wissen will, wann ich denn gedenke, mein Minus zu tilgen. Was soll ich denen sagen? Je nachdem, wann ich die nächste Bank überfalle?! Außerdem klingelts grad auf der anderen Leitung, weil mein Chef wissen will, ob ich in meinen 5 Minuten Pause noch seine Blagen vom Spielplatz zerren kann und seine Hemden aus der Wäscherei hole. Und wenn ich dann meine Finger wieder aus dem glitschigen, verdreckten, behaarten, stinkigen Abfluss freikriege, nachts über meiner Abschlussarbeit brüte, um morgen mit meinem Neffen ins Schwimmbad zu kommen.
Das mit dem "Ja"Sagen überleg ich mir in nächster Zeit noch mal. Aber zuerst muss ich vom Zehn-Meter-Brett runter.