iPad zu verkaufen.
22.11.2010
Es gibt viele Arten, mit Geld umzugehen.
Ich kenne keine davon, denn ich gehe mit Geld gar nicht um. Mein Motto könnte am ehesten lauten:
Wie gewonnen, so zerronnen.
Oder, frei nach Konfuzius:
Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir - für immer.
Mein bester Freund hingegen hat eine etwas andere Methode: Effizienz. Man könnte sogar behaupten, Effizienz turne ihn an. Neulich saß er verklärt schauend in seiner etwas miefigen Karre und erklärte mir die Kosten-Nutzenrechnung seines Wagens.
„Aber“, meinte ich „schau dir das Teil doch mal an. Hinten Beule, vorn Beule, mitten Rost.“
Ließ er alles nicht gelten, Hauptsache effizient.
Meine Cousine hingegen ist eine wandelnde Skontokartei. Gibt es Rabatt, ist sie in der Nähe. Würde ich morgen ein Prozentzeichen an meine Haustüre hängen, säße sie 2 Minuten später auf dem Fußabtreter und würde anfangen zu handeln.
Sie kauft reduziert ein, kleidet sich skontiert ein und, um ehrlich zu sein, ich denke, sogar beim Haarschnitt verhandelt sie den Preis. Was, wie ich finde, nicht unbedingt zu Ihrem Vorteil war.
Neulich waren wir unterwegs. Städtereise.
Ich übernahm die Planung. Und Buchung.
Mein Freund motzte hinwärts. Rückwärts. Und dazwischen.
„Natürlich“; meinte ich etwas vergrätzt, „billiger geht immer. Aber ich schlafe nicht mit 25 Fremden und 76 Kakerlaken in einer Jugendherberge.“ Das konnte er nun gar nicht nachvollziehen.
Meine Cousine war total auf meiner Seite. Ich hatte natürlich das teuerste gebucht. ABER es war nun mal 8% reduziert.
Der Kurztrip war abenteuerlich. Nervig. Anstrengend. Aber super.
Als ich wieder zu Hause war und online Luxus-Radkappen für mein neues Geschoss bestellen wollte, fiel mir wieder mein Freund ein.
Er würde über Effizienz referieren, und wie viel meiner Lebenszeit ich in Arbeit investieren müsste, um mir Radkappen um 68Euro das Stück zu leisten.
Und verdammt, das waren einige Stunden. Aber verglichen mit den Arbeitsstunden meiner neuen Jeans, der neuen Espressomaschine und meiner anvisierten neuen Uhr war das noch gar nichts.
Ich bin umgeben von Dingen, die mich für genau 2 Stunden nach Kauf noch glücklich machen. Für die ich aber wesentlich länger arbeiten muss. Ist das nicht eigentlich zum Kotzen?
Wie viel besser wäre es, einige Monate einfach die Biege zu machen und durch die Welt zu reisen? Wenn kratzt’s, ob ich dabei Seven for all Mankind Jeans trage? Ob ich das neue iPhone habe? Einen doppelten Satz Reifen mit Spinnerfelgen?
Wen interessiert’s, dass mich meine neuen Espressomaschine 720 Euro im Ausverkauf gekostet hat?
Im Ernst, Leute, kein Mensch schaut auf so was. Außer jenen, die selbst ihr halbes Leben damit verbringen, an Dinge zu kommen, auf die sie bei anderen neidisch sind.
Macht nicht den Fehler und denkt, ihr steigert so euren Mehrwert.
Wenn ihr was steigert, dann den Umsatz der Bank, der ihr das Geld schuldet.
Die Radkappen habe ich übrigens nicht bestellt. Dafür das iPad.
Veränderungen muss man langsam umsetzen. Oder, wie seht ihr das?