Inklusive kostet extra
26.06.2007
Es gibt Sachen, die sind so unnütz wie beleuchtete Klobrillen, Haftstrafen für Paris Hilton und Preislisten. Wobei ich mir bei beleuchteten Klobrillen und Paris nicht so sicher bin, bei den angegebenen Preisen auf Preislisten hingegen bin ich mir absolut sicher.
Ich startete vor einigen Wochen den Versuch, mein nicht vorhandenes Erspartes in ein nettes, kleines Wägelchen zu investieren, und irrte sinn- und zwecksuchend zwischen Exponaten meines Vertrauenshändlers herum. Tatsächlich hatte ich mich im Vorfeld etwas schlau gemacht. Mein Verkaufsberater, der in mir leichte Beute wähnte, war dementsprechend beeindruckt, als ich mein „absolutes Drehmoment“ in jeden zweiten Satz einbaute. Um es kurz zu machen: mein Verkaufsberater empfahl mir einen netten Leon, mäßig sparsam im Verbrauch, ausgestattet mit den nötigen Ps, serienmäßig mit Klima und Airbags um fast geschenkt.
Nun gut, ich bestellte den netten Leon, wählte die Farbe, Innenausstattung, 4 Winterreifen, und hatte plötzlich auf der Rechnung einen Zusatzposten von 4.200 Euro. „Alles nicht serienmäßig, was sie sich wünschen“, so mein Verkaufsberater. Überflüssig zu erwähnen, dass ich den Zusatzposten freundlich dankend bezahlte, und mich nun daran erfreue, dass immerhin die Karosserie, das Lenkrad und der Motor im Preis inbegriffen waren. Einzelfall, schreien nun die Positivisten, Abzocke gibt’s nur bei Luxusartikeln und bei Menschen, die das Geld haben, um sich abzocken zu lassen. (Wobei das auf mich dann nicht zutreffen hätte dürfen.)
Liebe Positivisten, setzt euch des Öfteren in eine Pizzeria, esst eure Pizza und trinkt euer Getränk und schätzt anschließend den Preis, rundet ihn auf, multipliziert in mit 12 und hängt noch eine Null hinten dran, dann liegt ihr fast richtig. Bestellt mal eine Margherita mit Cocktailtomaten und ihr werdet staunen, welchen Arbeits- und Kraftaufwand ihr anschließend auf der Rechnung präsentiert bekommt: für die Margherita die geschätzten fünf Euro, die Cocktailtomaten noch mal ein Euro dazu und, nun aufgepasst, ein weiterer Euro für das Teilen der Cocktailtomaten.
Die sind ja bekanntlich so riesig, dass man sie fachgerecht zerlegen muss, wobei die fachgerechte Zerlegung händisch durchgeführt werden muss. Im Preis inklusive sind die Benutzung des zum fachgerechten Zerlegen benutzten Messers und das Legen der fachgerecht zerlegten Tomaten auf die Pizza. Nun, ich überlege gerade, müsste man das Waschen der Tomaten vor dem fachgerechten Zerlegen extra bestellen und bezahlen?
Zusammengefasst ergibt sich nun der Preis von fünf Euro für eine Margherita, darin enthalten der Teig, (also das Mischen, Kneten, Würzen), die Bearbeitung (hochnehmen, hinlegen, drehen, auswalzen), die Tomatensauce (auch das Öffnen der Tomatensaucedose), sowie das Würfeln der Mozzarella und Streuen des Origanos. Das Extra kostet extra, sowie die wie schon beschriebene Zubereitung des Extras kostet noch mal extra, ergibt, mit dem extra zu bezahlenden Gedeck, in dem enthalten sind das Besteck und teilweise der Kellner, ungefähr wie ebenfalls schon beschrieben den Preis, aufgerundet, mit 12 multipliziert und mit einer Null hintendran.
Für die, die noch folgen können und wollen, nur soviel: wenn ihr mir erklären könnt, was ich einen ganzen Absatz zu erklären versuchte, seid ihr entweder Mathegenies oder studiert Wirtschaft.
Ich jedenfalls habe nur soviel verstanden: der angegebene Preis sollte niemals für Kalkulationen verwendet werden und inklusive gibt’s nichts.
Ich habe gestern fast kostenlos meine beantragte Kreditkarte erhalten, Schulden inklusive. Immerhin etwas…