Facebooking - are u in?
18.11.2008
Heute Morgen fand sich als erste notification auf meiner home-Seite eine Freundschaftseinladung von Simone. Genau das hatte ich befürchtet - willkommen, Zwickmühle. Ich ertrug sie bereits während 5 Oberschuljahre mit Müh und Not, man könnte ihr sogar unterstellen, dass sie meinen Dauerschwänzstatus mitzuverantworten hatte. Und nun ist sie wieder da. Eine Meditationsübung mit anschließender Zigarette bestätigte ich ihr die Freundschaft, um Sekunden später einen post auf meiner wall zu finden.
Ich könnte ihr natürlich mit einem Vampires-bite antworten, ihr eine „Bitte nicht stören“ message senden, oder sie sogar in meinen settings teilblocken lassen.
Doch in mir sträubt sich ein nicht zu ignorierender Teil, auch nur im Ansatz kommunikativ zu werden. Es fühlt sich so sinnlos an, ungefähr so, als ob ich Pamela Anderson die Kurzfassung von Dostojewskis „Idiot“ in Hebräisch nahe bringen müsste.
Begonnen hatte es so harmlos... nach einigen invitations in meinem Emailaccount loggte ich mich ein, und hatte plötzlich bereits 16 friends. Nach 2 Tagen, in denen Facebook meinen Emailaccount lahm legt, weil jeder Furz von meinen friends mir in einer Mail mitgeteilt wird, entdecke ich, dass man erst cool wird, wenn man mindestens ein photo und einige infos online stellt. Dann versucht man, sogar den Hund der Nachbarin der Cousine der Schwägerin der Oma als friend zu gewinnen, um in den dreistelligen friends-besitzstatus zu kommen. Viele friends = viele posts auf der wall = viele Kommentare zu dämlichen photos = viele invitations zu armseligen Gruppenbildungsversuchen = member der viele andere members kennen lernt = megagalaktischhypergeiler Facebooker den alle als friend wollen. Verstanden?
Hast du viele Freunde, die unglaublich viel Zeit, Internet und einen leeren Kopf haben und dich deshalb rund um die Uhr mit dummen Sprüchen zutexten, hast du gewonnen. Nämlich viele weitere Freunde.
Damit deine Freunde auch immer wissen, mit welchen dummen Sprüchen sie grad kommen können, kann man auch gleich seinen Beschäftigungsstatus eingeben. Bei mir steht grad: kein Status. Denn zum guten Ton des Facebookings gehört die Verwendung des Englisch. Da ich aber zur Sicherheit jedes Wort durch mein Online-Dictionary laufen lasse, um mir vor meinen friends nicht die Englisch -blöße zu geben (würde einigen anderen Facebookern auch nicht schaden), und sich mein Beschäftigungsstatus minütlich ändern kann, rentiert sich diese Information nicht mal.
Ich versuche deshalb, meinen Alternativen Stand möglichst positiv zu leben. Poste hin und wieder mal was auf irgendeine Wall, antworte selten und möglichst unverständlich um weiteren friend-invitations auszuweichen, denn den wenigsten möchte ich im wirklichen Leben begegnen. Ich nutze die Informationswut anderer, um meinen Wissensstand bezüglich Bekannter zu aktualisieren; weiß nun, dass Philip immer noch verkifft in Neuseeland abhängt, Sara an der Business School in Kopenhagen studiert und Peter selbstständiger Obsthändler ist. Da fühlt man sich doch gleich viel informierter.
Als ein wirklich guter Kumpel und ich kürzlich entdeckten, dass wir beide Facebooken, beschlossen wir im stillen Einverständnis, niemals friends zu werden. Wir hätten uns nur in peinliche Situationen gebracht, er mit seinen ellenlangen Infos zu seiner Person, die doch kein Mensch je liest, ich mit meinen Freunden aus alten Zeiten, die immer noch denken, ich stünde auf Depeche Mode.
Man könnte glatt meinen, ich finde Facebook doof. Aber das kann doch unmöglich sein, oder?