Facebook-Arbeit
21.07.2011
Ich war schon immer ein erbärmliches Paradebeispiel für mangelhafte Disziplin. Egal ob es um Ausdauer, Durchhaltevermögen oder Konzentrationsfähigkeit geht, allen meinen Vorgesetzten stand nach wenigen Tagen bereits die nackte Panik ins Gesicht geschrieben.
Ich kam zu spät, war falsch angezogen, hatte den falschen Stundenplan, hatte wichtige Unterlagen vergessen. Oder ich kam pünktlich, musste dann aber einem Kollegen auf der Treppe noch alle Neuigkeiten der letzten 14 Jahre erzählen, mit dem Portier über Politik schwadronieren oder der Bekannten im 4. Stock noch kurz einen Kugelschreiber zurückbringen.
Wenn ich dann mal am PC saß, ging das Debakel erst richtig los. Man muss berücksichtigen, dass ich für lange Zeit keine wirkliche PC Affinität entwickeln konnte. IN meinem Kaff gibt es weder funktionierende Internetverbindung noch alternative Vernetzungsmöglichkeiten, und wie das mit Telefonanbietern funktioniert bzw. nicht funktioniert, dürfte bereits Neugeborenen klar sein.
Am PC wurde ich erst richtig warm – nach reichlich Klatsch und Tratsch von Angesicht zu Angesicht ging nun die Social Media-Kommunikation los. 2 Freundschaftsanfragen auf Facebook bestätigen, Twitterstatus aktualisieren und noch kurz den jämmerlichen Zustand des Bürokaktusses fotografieren und online stellen – das alles, noch bevor ich meine Arbeits-Mails abgerufen habe.
Überflüssig zu erwähnen, dass es leider bislang jeder meiner Arbeitgeber versäumt hatte, diese Seiten zu sperren.
Leider bin ich nicht nur mit einem hoffnungslos leistungsschwachen Wesen geschlagen, ich bin auch noch auf der ständigen Suche nach Essbarem. Man möchte meinen, Twitter und Co reichen als unwillkommene und vor allem ungestattete Ablenkungen, aber nein, es muss ja leider immer noch mindestens einen Snackautomaten geben, der komischerweise nur bei anderen defekt zu werden scheint. Ab spätestens 23 Minuten nach einloggen meines Facebookaccounts gibt mein Magen bereits traktorähnliches Brummen von sich, ein Laut, der meine Augen automatische Richtung Snickers schwenken lässt. Nach dem Verzehr von einem Snickers, 2 Packungen M&Ms, einer Packung Pringles, gefühlten 2 Kilos mehr und etwa 15€ weniger über den Tag verteilt geht es langsam Richtung Feierabend. So unpünktlich ich vielleicht morgens bin, so zügig ziehe ich abends Richtung Divan. Jedoch nicht, ohne vorher meinen Status aktualisiert zu haben, noch kurz einen Online-Watter zu machen und meine Abendplanung gezwitschert zu haben.
Vor kurzem machte mir mein Vorgesetzter ein Angebot: Arbeiten von zu Hause aus. Aufstehen, wann man will, Arbeiten, wo man will, wie man will.
Mit Grauen dachte ich an all die noch nicht gesperrten Seiten, die eventuell noch zum Shoppen einladen würden, dachte an meinen großen Kühlschrank, der Familienpackungen Eis kühlte und die immense Playstation-Spielesammlung. Als er dann auch noch die Provisionsbasis erwähnte, lehnte ich höflich lächelnd ab. Wie gesagt, ich bin ein erbärmliches Paradebeispiel für mangelhafte Disziplin. UND – ich will so bleiben wie ich bin.