Die Alk-Sperrstunde
08.11.2007
Ab zwei Uhr morgens gibt’s in unseren Vergnügungslokalen keinen Ausschank mehr.
Gut, endlich tut Politik mal was Bürgerfreundliches und schützt seine Bürger vor den Gefahren des Alkohols. Nur, warum erst ab zwei Uhr morgens?
Da klingelte es bei mir - damit die Autofahrer nicht betrunken fahren, dürfen sie ab zwei Uhr nicht mehr trinken. Hmm. Ich komme einfach nicht drauf.
These 1: Weniger trinken
Denn will man sich betrinken, dann weiß man das ja schon vor zwei Uhr morgens. Zumindest ich. Sich zuhause betrinken ist effizienter, billiger und ich bin einfach wahnsinnig lustig. Ich finde mich sehr lustig. Außerdem steigt mein Fremdsprachenwortschatz beachtlich, weswegen ich betrunken auch immer Auswanderungspläne schmiede.
Also komme ich mit Startvorteil in die Disco, in welcher ich noch mal tief ins Glas schaue um gegen ein Uhr morgens mit Fug und Recht behaupten zu können, nicht mehr Herr meiner Sinne zu sein. Einfach unschlagbar, die Ausrede.
Meine Freunde wollen natürlich auch ne gute Ausrede und kippen schnell 5 Tequila ex.
Damit ist die Alkoholverminderungsthese schon mal vom Tisch, denn 5 Tequila auf ex schaffe selbst ich in 15 Minuten, kotzen inkl.
These 2: Weniger Umsatz in den Discos
Keine Discos - keine Probleme - keine Jugendlichen welche nachts Auto fahren - keine sich beschwerenden Anrainer - keine besorgten Mütter die zu spät kommende Töchter zur Fahndung ausschreiben lassen
Unglaublich blöde, diese Theorie.
Politiker gehen doch selbst auch zum Tanzen (freundliche Grüße. Herr Lamprecht). Die brauchen doch Steuern und Konventionalstrafen um neue Dienst-Audis zu kaufen. Außerdem wirtschaften sich Nachtlokale sehr gut selbst nieder: mit schlechter, sehr schlechter Musik. Schlechten Getränken. Hässlichem Personal. Und am schlimmsten: die Leute bzw. das Alter der Leute. Mein iPhone frisch aus den Staaten ist teilweise älter als einige dieser jungen Aufmüpfigen, was sie aber nicht davon abhält, mit einem Moijito in der Hand sturzbesoffen über die Tanzfläche zu torkeln. Sehr unwahrscheinlich diese Theorie.
Nun sind Lokale dazu übergegangen, Protestlisten auszulegen, in denen jeder gegen diese neue Verordnung unterschreiben kann. (Ich habe meine werte Unterschrift noch nicht darunter gesetzt, denke, es wäre für meine zukünftige SVP-Politikkarriere nicht förderlich.)
Nun - however- jedenfalls ist schon mal klar, dass niemand den Sinn der neuen Verordnung durchschaut hat. Max, Apres & Co sind dazu übergegangen, Bier am Ausgang zu verkaufen und, so stand kürzlich in der Zeitung, die Flasche Wodka um NUR 80 Euro zu verhökern. Denn, so klagen die Discobetreiber, sei der Umsatz dramatisch zurückgegangen, außerdem hätten Gäste teilweise sehr unzufrieden das Lokal verlassen. Nun, wenn besagte Gäste zuerst für einen billigen Wodka 80 Euro blechen müssen kann ich ihre Unzufriedenheit sehr gut nachvollziehen.
Nun, ich muss ehrlich gestehen, so wenig ich die neue Verordnung verstehe, fühle ich mich nicht persönlich betroffen. Wahrscheinlich, weil ich mich auch vor 2 Uhr morgens bequem ins Koma saufen könnte, würde ich es wollen.
Und doch finde ich, ist es nicht gerechtfertig, so rigoros ohne effektive Begründung etwas zu verbieten, immerhin haben wir unseren Kopf und dessen Inhalt nicht nur, um unser Haupthaar durch die Gegend zu tragen. Da hätte unser Landeshauptmann leidlich wenig zu tun :-)
Deshalb noch mal mit aller Bestimmtheit: Politikmacher, überlegt euch doch noch mal eure Politik. Sonst bleibt uns nichts anderes übrig, als selbst in die Politik einzusteigen. Und das solltet ihr euch wahrlich nicht wünschen.