Crocs - der Wahnsinn hat einen Namen
19.09.2008
Dafür gibt es leider nur einen Namen: Crocs-Epidemie. Man sieht sie leider überall, in groß, klein, bunt und/oder geblümt, nur leider nicht da, wo sie eigentlich hingehören: ins Gewächshaus. Oder auf die Krankenstation. Crocs sollten eigentlich nur Berufstätigen vorbehalten sein, die Sachen fragen wie: „Haben wir heute schon unsere Pillen genommen?“ oder „Stellen sie den Ficus Benjaminus auf keinen Fall an einen zu schattigen Platz, und lesen sie sich die Dünganweisungen genau durch. Denn eigentlich sind Crocs ja nichts anderes als klobige Gummiboote, in denen selbst der George Clooney den letzten Hauch Würde verlieren würde.
Eigentlich wurde der Treter für Landwirte entwickelt, um deren zarte Beine vor Tierpipi schützen, doch fatalerweise schaffte das Fußungetüm den Sprung direkt, wie es scheint, in die Bozner Lauben. Der Prototyp der Crocs-Träger ist natürlich Bundesdeutsch, Kind, Mutter und Vater tragen die Familienkonfektion, Kind in bunt, Mutter in gelb und Vati in oliv. Unten Tarnhose, oben Ohrringe, mitten Crocs. So hässlich kann man beim Shoppen sein.
Selbst mein Freundeskreis, so klein der auch ist, blieb nicht von der Seuche verschont. Obwohl monatelang belacht und veräppelt, lief plötzlich eine Freundin mit solch pinken Dingern zur Höchstform auf: So bequem, antibakteriell und überhaupt kein Fußschweiß. Was soll ich dazu sagen? Auch ohne chinesischem Gummi unter meinen Füssen sind meine Füße, außer in der Badewanne, immer trocken. Antibakteriell? Auch Bakterien haben offensichtlich ihren Stolz. Gegen bequem komme ich beim besten Willen nicht an. Nicht bei meiner Freundin, die selbst 14cm Stilettos als eine Wohltat für Füße und Auge bezeichnet.
So sehe ich machtlos der ausufernden Epidemie und Modellanzahl zu:
Adara, alice, all terrain, athens, baja, batman, um nur etwa 5 Prozent der Schuhkollektion aufzuzählen.
Klassiker ist der Crocs Cayman, den man beim Warten bessere Zeiten locker an der Schnalle über dem großen Zeh baumeln lassen kann.
Ungeschlagen ist jedoch der Crocs Mammoth, gedacht für Schotten oder Eisbären. Innen ist die schicke Latsche mit Fell gefüttert, womit der schlechte Geschmack noch textilsicher unterstrichen wird.
Damit auch jeder Millimeter genutzt wird, finden sich sogar für die Luftlöcher Verwendungszwecke, von innen verdampft Fußschweiß und flüchten Bakterien, außen kann man sich Jibbitze dranklippen. Klingt zwar nach Bauchtanzkurs in Israel, sind aber kleine, fröhliche Sticker, die schweineteuer sind und die ohnehin schon hässlichen Teile noch hässlicher machen.
Es soll Personen geben, die finden Crocs lustig. Die fänden es dann hoffentlich auch lustig, wenn ich ihnen mit dem Modell Alice mal ordentlich eins auf die Nuss geben würde. Dann hätten die Teile wenigstens eine minimale Daseinsberechtigung.