Bad, mad world
29.05.2007
Tatsächlich ist die Welt viel schlechter, als ich eigentlich angenommen hatte. Nach Amokläufen und öffentlicher Haarrasur von Britney glaubte ich, mich könne nichts mehr schocken - falsch gedacht!
Saß ich ahnungslos mit meiner Freundin im Auto, wir unterhielten uns nett und fuhren so dahin, als sie, so mir nichts, dir nichts, ihren eben gekauten Kaugummi aus dem Autofenster schmiss. Nach meinem gewollt bösen Blick, der aber eher miss- als gelang, meinte sie lapidarisch: „Was?“
Na? Ganz ehrlich, was ist da eigentlich schockierender? Der Akt des Kaugummi-aus-dem-Fenster-schmeissens, oder die Tatsache, dass sie sich des Akts noch nicht einmal bewusst war?
Was dann folgte, waren lange, nervenaufreibende, mühselige Stunden des Streitgesprächs.
Sie meinte, alles, was sich außerhalb des Autofensters befände, sei ein umfassender, großer, aufnahmefähiger Mülleimer. Dieser alles umfassende, große, aufnahmefähige Mülleimer würde sämtliche Zutaten, die ihm sozusagen zugeführt werden würden, in sich aufnehmen, jedoch gleichzeitig in seinem Originalzustand bleiben.
Ihr Kaugummi, so meinte sie, würde einsinken, irgendwann käme der Regen, worauf ihr Kaugummi sich gänzlich zu Regenwasser verwandeln würde.
Ich meinte, die Wirklichkeit unterscheide sich gänzlich von ihrem Wirklichkeitsbild. Und natürlich ist meine Wirklichkeit die Richtige. Zumindest in diesem Dialog.
Außerhalb des Autofensters finden wir meist Natur. Diese Natur beheimatet eine große Anzahl verschiedener Tiere, wir finden darin Flora und Fauna.
Meine Naturkundelehrerin würde jetzt glänzende Augen bekommen, ab und zu ist offensichtlich was hängen geblieben. Bei meiner Freundin und ungezählten anderen anscheinend nicht, oder sie hatten gar keinen Naturkundeunterricht.
Auf Autobahnen regnet es Zigarettenkippen, Zigarettenschachteln, Keksverpackungen, Plastikflaschen und „Epflputzn“, oder, für die Deutschkenner, Apfelkerngehäuse.
Wenn meinem Freund die laufende Musik nicht gefällt, zieht er die CD aus dem Player und schickt sie in die unendlichen Weiten des sich außerhalb des Autofensters befindlichen Universums.
Sein Vater sitzt Abend für Abend vor der Glotze, um mit dem Naturkanal gemeinsam das Schmelzen der Polkappen und Aussterben der Würfelquallen zu beklagen, während der Rest seiner Familie ungehemmt ihren Dreck verstreut. Der Sohn fährt mit dem Auto, Euro 1, ins 7 Gehminuten entfernte Fitnessstudio, wo er noch mal 7 Minuten rumkurvt, um einen Parkplatz zu finden. In der Zwischenzeit fährt seine Mutter seine Schwester zum Zahnarzt und überholt dabei die SASA, welche genau die gleiche Strecke zeitgleich bewältigt. Die Schwester, wenn sie dann abends verschwitzt nach Hause kommt, stellt als erstes gleich mal die Dusche an, sucht sich in der Zwischenzeit noch was zu essen, ruft ihren Freund zurück, bügelt anschließend noch ihre neue Jeans, um sich nach 45 Minuten an das laufende Wasser der Dusche zu erinnern. Portugal und seine Wassernot hätten ihre wahre Freude an ihr.
Kurz darauf sieht sich ihr Vater noch eine Reportage über genmanipulierte Lebensmittel an, worauf er kurzerhand noch schnell in den Bioladen fährt um für seine Lieben ungemanipuliertes und unvergiftetes Essen einzukaufen. Man achtet ja auf sich.
So läufts und läufts immer weiter, in dieser Welt. Für uns nur das Beste, doch nach uns kommt die Sintflut.
Nun, anscheinend soll es auf dem Mars nun auch Leben geben. Wahrscheinlich sind das ein paar Chinesen, denen es auf der Erde zu schmutzig geworden ist. Wir werden das Rätsel sicherlich lösen, denn ich spiele mit dem Gedanken, in eine unverschmutzte Gegend umzusiedeln. Oder zumindest in eine Autofensterfreie…