Als der liebe Gott das Glück verteilte
25.02.2008
Als der liebe Gott das Glück verteilte, war ich sicher grad vor der Himmelstür, Rauchen. Oder am offenen Himmelskühlschrank. Im himmlischen Rotweinkeller. Wo auch immer, mit Sicherheit war ich nicht in annähender Nähe der mit Glück beschenkten.
Man stelle sich vor, was mir 2007 alles passierte: im April zog ich um, im Oktober wieder zurück. Im Oktober bekam ich eine Superwohnung, riesig, mit Garten und Balkon, fühlte mich von der Glücksfee geküsst. Anfang November, eine Stunde, bevor ich in meinen Kurzurlaub nach Portugal startete, musste ich spontan wieder ausziehen, da mein Vermieter vergessen hatte, dass er die Wohnung schon vermietet hatte. Nur leider nicht an mich.
Welcome back, Pechmarie.
Was mein Vermieter auch vergessen hatte: er hatte sogar meinen Arbeitsplatz jemand anderem versprochen. Merke: Vermieter sollte nicht Arbeitgeber sein, vor allem nicht, wenn er ein sehr kurzes Kurzzeitgedächtnis hat.
Diese etwas ungünstige Situation führte zwangsläufig zu einem etwas ungünstigen Kontostand. Was mein Auto als willkommene Gelegenheit nahm, seine Position als Geldschlucker zu behaupten. Zuerst der Sensor (320 Euro), dann in kurzen Abständen alle vier Zündspülen (je 70 Euro). Liebe Grüße übrigens ans Autohaus Frei, das mir zu einem „etwas“ restaurierbedürftigen Auto auch noch glatte Winterreifen verkauft hatte Die neuen kosteten mich 220 Euro (die Radkappen noch mal 50 Euro). Vor drei Wochen ging dann noch die Lichtmaschine flöten (Kosten noch nicht geklärt, fahre auch ohne Licht wie Schumi (Michael, nicht Ralph)).
So war ich nun, wohnungslos, arbeitslos und von der Bank gejagt, in einer etwas missmutigen Stimmung. Und fragte mich, was um alles in der Welt ich angestellt hatte, dass mir das Pech nur so hinterher sprintete. Spontan fiel mir nichts ein, außer Kleinigkeiten wie kleinere Notlügen, fremdgehen, Fußgängern den Vortritt nehmen und den ehemaligen Mitbewohner bei der Stromrechnung zu bescheißen. Nichts, was andere nicht auch machen.
Nach Geld lechzend machte ich mich auf die Suche nach einem sofort verfügbaren Arbeitsplatz und landete, na wo landet man Anfang Dezember auch schon…? Auf dem Weihnachtsmarkt. Seit Ende Dezember habe ich zwar keine (akuten) Geldprobleme mehr, dafür bleibende körperliche Schäden: die Selbstheilungsfunktion meiner Haut hat sich freundlich verabschiedet, sodass ich mich nach zwei Monaten offenen Wunden an den Händen und kiloweise Handcreme daran gewöhne, mit Handschuhen zu leben. Mit Handschuhen zu lesen, zu essen, zu schlafen und zu baden. Ich verbinde mit Handschuhen meine Kniegelenke, da diese seit Ende Dezember im Freien dazu tendieren, einfach mal auf „tiefgefroren“ zu machen und unbeweglich werden. Meine Kopfhaut hat im Dezember zu engen Kontakt mit dem Grillputzmittel geschlossen und juckt seitdem, da hätten Flöhe und Läuse das glatte Nachsehen. Sehr unbefriedigend, sich mit Handschuhen zu kratzen.
Aus einem vitalen, energischen Kraftbündel wurde eine sich mit Handschuhen am Kopf kratzende Kreatur, armselig und bemitleidenswert.
Na gut, inzwischen habe ich wieder meine Wohnung und einen noch besseren Job als vorher. Und wenn andere Autofahrer in Zukunft die Güte hätten, nicht mir ihrer Stoßstange meine hintere linke Rücktür einzudrücken, wäre auch das Kapitel Auto im grünen Bereich.
Woran das liegt?
Sicher nicht nur an der Glücksfee, die sich mal wieder zu einem Spontanbesuch hat. Sondern hauptsächlich an den Kettenmails, die ich neuerdings alle weitersende. Ich habe die bisher noch nicht mal geöffnet, sondern direkt eliminiert. Kein Wunder, dass ich abgeratzt und pleite auf der Strasse landete. Stand alles drin in den Mails: „Sende dieses Mail an mindestens 35 Personen weiter, sonst hast du 35 Jahre Unglück – keinen Sex – deine Freunde sterben – niemand mag dich mehr – verlierst du alles. Nun stehe ich jeden Morgen um halb 7 auf, um mindestens 15 Massenmails zu verschicken und mir so des Glückes sicher zu sein. Man hat sein Glück selbst in der Hand, kann ich nur bestätigen.
Verschickt Kettenmails, und ihr werdet all eure Sorgen los. Und wenn jemand Lust hat, von mir Kettenmails geschickt zu bekommen, hinterlasst bitte euer E-Mail-Adresse! (Meine Freunde schätzen meine vorsorgliche Art, für Glück zu sorgen, nämlich nicht und haben allesamt ihre Mailkonten sperren lassen…)
Sendet diese Kolumne anschließend an euer gesamtes Adressbuch, sonst…. Macht’s einfach!