Abgedreht
25.02.2009
Neulich meldete sich das Fernsehen bei meiner Mutter. Fragte charmant nach, ob sie die gesamte Familie mal zum Thema Pubertät interviewen könne. Meine Mutter antwortete noch charmanter, sie würde ein deliziöses Mittagessen zubereiten und freue sich auf den Dreh.
Nun, es war nicht die Supernanny, die vorbeikam, sondern ein kleines Team im Auftrag vom Rai Sender Bozen, das, über Umwege, von einigen unserer revolutionären Versuche, erwachsen zu werden, Wind bekommen hatte. Ich fand das etwas weniger charmant, eigentlich sogar beleidigend.
Was wollen die in einer Pubertätssendung eigentlich senden? Wie wir pubertieren? Da kommen sie aber etwas zu spät. Außerdem ist das Wort Pubertät doch eigentlich schon ein Schlag ins Gesicht für alle Jugendlichen und jene, die es noch nicht so lange her waren.
Außerdem, meinte ich zu meiner Mutter, und wiederholte es auch im Angesicht einer dicken, runden Aufnahmelinse, möchte man doch nur in Ruhe vom Kind zum Erwachsenen werden. Man möchte den ersten Kater erleben, seinen ersten ekligen Joint rauchen und sich mal richtig verknallen.
Eltern sehen natürlich nur ihre gesamte gute Erziehung den Bach runtergehen und jammern alle drei Sekunden: Oh, diese Pubertät... heißt übersetzt: Pickel, Wahnsinn, sexuelle Eskalation. Musste denn wirklich jemand diesen Namen dafür erfinden? Klingt doch irgendwie, als würde sich jemand übergeben.
„Oh, erzählen sie weiter“, meinte die Stimme hinter der Aufnahmelinse, und ich beschwerte mich darüber, dass man im zarten Alter zwischen 13 und 33 doch genügend andere Sorgen hätte als sich mit dem Pubertätsproblem noch herumzuärgern.
Die Hormone und der Stimmbruch, der Platz im Leben und die Anredeform, Menstruation und Dauererektion, Zukunftsentscheidungspläne, und dabei wäre man manchmal am liebsten unter Dauerquarantäne.
Und was machen die Eltern? Stellen sich daneben und beobachten, wie man, überhäuft mit gut gemeinten Ratschlägen, dann doch den Karren an die Wand fährt. Jammern dann in einer Tour, dass die Pubertät doch so schwierig sei, dass das doch niemals ihr Kind sei, welches betrunken auf einem Scooter fahrend einschlafen würde, um in einem Polizeiauto wieder aufzuwachen. Ihr Kind hätte auch niemals behauptet, dass es die Marihuanastaude ausschließlich zu Forschungszwecken in Biologie züchten müsse, und es hätte nicht den Drang, sich optisch einer Mischung aus Bob Marley und Marilyn Manson anzugleichen.
Diese verdammte Pubertät.
Und genauso, referierte ich weiter, mache es doch auch das Fernsehen. Anstatt Jugendlichen auch mal die Möglichkeit zu geben, mal voll krass was im Fernsehen zu machen, so was wie Jackass auf Rai Sender Bozen, drehten sie lieber eine Sondersendung zur Pubertät und was dabei rauskommt, wenn’s schief geht (siehe meine Familie).
Ich wüsste gar nicht, was die eigentlich von mir und meiner Pubertät hören wollten, geiferte ich, nun richtig erbost, in Richtung Kameramann.
Der lächelte und meinte lapidar zum Tonmann: "Hast alles? Dann sind mer fertig. Sendetermin in 3 Wochen."