6 Gründe, warum wir auf Schnee warten
08.01.2007
1. Schneemode. Langhaarstiefel, neongelbe Moonboots, lachsfarbene Ganzkörperskianzüge, mit Rentierhörnern versehene Ohrenschützer, dazu gepunktete Wollschals, gestreifte Handschuhe, gestrickte Wollsocken und vierfachgefütterte Ganzkörperunterwäsche - weder die Fantasie der Hersteller noch der schlechte Geschmack der Kunden kennt Grenzen.
2. Wintersport #1. Ungeahnte Talente schlummern tief in den meisten von uns. Alberto Tombas & Co hätten keine Chance, wenn sie uns in Action erleben würden. Mit gefühlten 300km/h Pistengeschwindigkeit rasen wir gen Tal, jumpen dabei noch exorbitante 720er als Garnierung und sehen bei all dem zum Anbeißen und Aufreißen aus. In der harten Realität rasen wir zwar mit 23,2km/h dahin, aber nur, weil die Piste eisig und der Schneepflug wirkungslos ist. Der 720er ist ein ungewollter Salto vorwärts über einen Buckel auf der Piste in den Tiefschnee außerhalb der Piste, sodass wir mehr zum Abhauen denn zum Anbeißen ausschauen. Lieber Alberto Tomba, wie gesagt, ungeahnte Talente schlummern tief in uns, so tief, dass selbst wir sie noch nicht gefunden haben.
3. Wintersport #2. Natürlich gehört zum Wintersport nicht nur das Snowboarden / Skifahren. Damit würde man die Hälfte der olympischen Wintersportarten außer Acht lassen. Wir wenden uns also dem Eislauf zu, wo wir uns mit solch banalen Dingen wie dem 6-fachen Axel in Kombination mit einem Salto mortale rückwärts gar nicht abgeben, sondern gehen gleich zum Knallen an die Außenbande über. Kleiner Tipp: bei Problemen jeglicher Art sollte man sich immer auf den Boden fallen lassen, ungeachtet der Personen, die hinter einem in hohem Tempo dahersausen. Das kostet im schlimmsten Fall zwar ein paar Finger und Zähne, sieht aber besser aus, als wenn man sich panisch affengleich an Fremde klammert.
Außerdem beliebt im: Rodeln. Dazu passend, nicht nur sprachlich, das Jodeln. Zum richtigen Rodeln gehört ein Rodel/Jodel-typisches Outfit (siehe Pkt.1), eine riesige Gruppe bestehend aus etwa 5 Großfamilien, viel zu wenig Rodeln und eine eisige Rodelpiste bei schlechter Sicht. Für den größten Spaß setzt man die Oma auf die Rennrodel und der Rest verteilt sich paarweise auf die Kinderrodeln, auf denen es mit viel Gebrüll und ein paar angebrochenen Knochen ins Tal geht.
4. Skihütten. Offiziell gehören sie zum Wintersport. Tatsächlich haben sie mit Sport ähnlich viel zu tun wie Schwertfische mit Hundefutter. Es soll gerüchteweise ein paar Seelen geben, die Apres-Ski noch als Abschluss eines Skitages sehen. Dabei ist Apres-Ski mehr als ein kurzer Abstecher in die Skihütte. Apres-Ski ist ein Zustand, bei dem das Hirn in Urlaub und das Herz in der Hose ist. Wer dies infrage stellt, soll sich nüchtern und im Vollbesitz ausreichend geistiger Fähigkeiten gegen 10 Uhr abends in eine Hütte stellen- zuerst wird man von betrunkenen oder wahlweise bekifften Feiernden mit dem Wortschatz eines 1-jährigen angemacht. Glücklicherweise bekommt man davon nicht allzu viel mit, da meist ein hochgradiger Pfuscher am Mischpult 8 Jahre alte Sommerhits über falsch eingestellte Boxen dröhnen lässt, die einem das Trommelfell in Schweizer Käse verwandeln. Trotzdem ist das „Feiern nach dem Sporteln“ so gefragt, dass Skifahrer schon zu Freestylern werden, da man mit Softboots einfach bequemer torkeln kann.
5. Die Kälte. In der Werbung sieht’s immer so gut aus: rote Pausbacken, ein süßes Stupsnäschen, niedliche Handschühchen mit dazu passendem Schälchen und Käppchen und modischen Schneetreterchen. Und so sieht die Realität aus: tropfende Nasen, klappernde Zähne, garantiert Frisurenzerstörende Mützen, vergessene Handschuhe und durchweichte, viel zu dünne weil modische Schuhe. In der Bar wird der Kaffee kalt, weil man mit tiefgefrorenen Fingern die Tasse nicht greifen kann, aber das fällt nicht auf, da durch die Mütze die Haare zu Berge stehen und man so laut mit den Zähnen klappert. Und doch freuen wir uns auf die Kälte, damit wir die tollen Mützchen und Schälchen und Handschühchen auch heuer wieder kaufen bzw. zu Weihnachten verschenken können.
6. Weihnachten. Zu teuer, zu kommerziell, zu lange, zu stressig ... Und doch freuen wir uns jedes Jahr wieder, wenn die Oma den Fünfziger rüberreicht und sich die Geschenke stapeln. Und was gehört zu einem richtigen Weihnachten noch dazu? Eben. Der Schnee.
Deshalb, Frau Holle, mach voran, denn sonst Weihnachtet es nicht allzu sehr.