...warum Radfahrer Schuld am Untergang Südtirols sein werden!
02.02.2012
Vielleicht kommt euch folgende Situation bekannt vor:
Ihr entschließt euch, so wie ich vor einiger Zeit, intensiver Sport zu betreiben. Als Flachland-Tiroler bietet sich natürlich Radfahren als erstes an. Voller Entschlossenheit und Tatendrang setzt ihr euch, auf euer Fahrrad (das Produktionsdatum des Fahrrades ist aufgrund des starken Rostes nicht mehr zu erkennen). Ganz normal gekleidet begebt ihr euch Richtung Fahrradweg. Schon nach kurzer Zeit aber fühlt ihr euch wie Idioten - Idioten aus dem Mittelalter - da euch nur Radfahrer in voller Kampfausrüstung, gesponsert von Kopf bis Fuß, begegnen. Ihr glaubt, ihr seid mitten im Giro d’Italia oder der Tour de France gelandet, aber dem ist nicht so. Schafft ihr es, trotz stark gekränktem Ego, noch eine halbe Stunde weiter zu treten, werden euch auch weiterhin nur „Profis“ begegnen. Im farblich abgestimmten Outfit, passend zur Fahrradfarbe wohlgemerkt, preschen sie an euch vorbei, ohne zu klingeln, geschweige denn den Kopf zu heben - fixiert und besessen davon eine neue Bestzeit aufzustellen.
Solltet ihr jetzt noch immer auf dem Fahrrad sein, dann seid ihr sozusagen die „Ötzis“ des Radfahrens. Wer ohne Ausrüstung, nur mit einem alten Drahtesel bewaffnet durch die Landschaft gurkt, ja sogar noch die frische Luft, das herrliche Wetter, die Vögel, die Natur und die Stille genießt, der - das ich wette ich - ist am Ende mindestens doppelt soweit „geradelt“ wie der Großteil der „mitGeldkaufeichmirOutfitsabernochlangekeineAusdauer“-Radler.
Ein weitläufiges Problem, das in allen Bereichen des Hobby- Sports und im normalen Leben anzutreffen ist. Egal ob Laufen, Klettern, Wandern, Schifahren oder Snowboarden, Beruf, Urlaub oder Handy, vielfach herrscht bei uns Südtirolern die Ansicht: Zuerst die gesamte Ausrüstung kaufen und dann erst wird losgelegt.
Egal ob Flugplatz, SEL, Landtagsgehälter oder Brennerbasistunnel, jeder muss das Beste, Größte, Längste und Schönste haben. Hat mein Nachbar einen neuen Golf6 TDI, so brauche ich mindestens einen GTI, mit mehr PS wohlgemerkt. Und wenn mein Arbeitskollege im Sommer nach Kuba fährt, da muss ich doch mindestens für eine Safari nach Afrika.
Kann es sein, dass Menschen diesem Druck irgendwann nicht mehr standhalten können? Einfach nicht mehr mithalten können, mithalten mit dem Nachbarn, mithalten mit der Gesellschaft, mithalten mit sich selbst? Werden wir vom Leistungsdruck, der Konsumgesellschaft und dem ständigen „Kräftemessen“ erdrückt?
Wirtschafts- und Finanzkrise kommen nicht von ungefähr. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, wird kommen – wahrscheinlich heuer im Dezember, wenn laut Maya-Kalender eine Ära zu Ende geht. Doch das ist wieder eine andere Geschichte…
Thx
potte