Das Glühkindl
30.11.2011
Alle Jahre wieder, kehrt sie ein, die stille und besinnliche Zeit. Die Zeit der Familie, der Nächstenliebe und des Friedens. Die Adventszeit ist angebrochen.
Doch ihr werdet mir Recht geben, dass der größte Teil von uns die Adventszeit nur mit einem verbindet: „Glühkindl“. In eisiger Kälte stellen wir uns an die Glühweinstände unseres Landes und wärmen uns das Herz mit dem heißen „Qualitätswein“ für 3€ das Glas exklusive Pfand, um die „innere Wärme“ der weihnachtlichen Zeit zu erleben.
Es ist euch sicher auch schon mal so passiert:
Ein Samstag im Dezember, ihr habt frei und wollt in die Stadt um noch die letzten Last-minute-Geschenke für eure Liebsten zu erwerben. Künstliche Weihnachtsstimmung, kitschige Musik und massenhaft Menschen mit roter Zipfelmütze fluten die Strassen. Eigentlich wollt ihr einen großen Bogen um den Weihnachtsmarkt machen, da ihr ja nicht zu den „Touris“ gehören wollt, bis ihr euch nach reichlich Diskussion mit eurem Begleiter doch darauf einigt, nur einen Glühwein zu trinken, bevor es mit den Einkäufen überhaupt losgeht.
5 Stunden später steht ihr dann immer noch am Glühweinstand, während die Geschäfte schon ihre Rollläden verriegeln, um gegen die „WEINachtlich“ angehauchten Vandalen gerüstet zu sein. Neben den Hitzestrahler lässt sich die Kälte gut ertragen (ihr wollt ja den Klimawandel stoppen). Das Geld für die Geschenke versoffen. Oder doch gut investiert? Mehr Prozente gibt’s in Zeiten der Finanzkrise wohl doch nirgends?
Neben dem Glühweinstand kniet ein Bettler, den sowieso jeder anmacht. Oder wird er doch bemitleidet? Aus Solidarität? Geld spenden oder damit lieber noch einen Glühwein trinken? Oder will der Bettler nur die große Abzocke bei den Touristen machen, die wegen der Weihnachtsstimmung und dem heilen Flair ohne Feinstaub angereist sind? Ist unsere Gesellschaft wirklich schon so weit, dass arme und bettelnde Menschen nicht mehr ins Bild passen?
Müssen wir zu Weihnachten wirklich beschenkt werden? Getrimmt und gedrillt von Medien und Konsum? Geiz ist Geil? Weihnachtshase? Ist aus dem Fest der Liebe nicht eher ein Fest des Konsums geworden? Tragen nicht vor allem die Medien dazu bei, dass wir stets denken, wir hätten noch immer nicht genug Geschenke und zu Essen gekauft? Kennen die Kinder noch die Weihnachtsgeschichte? Wer verbindet spontan mit Weihnachten noch die Geburt Jesus? Wer geht noch in die Messe? Welche Familie wäre glücklich ganz ohne Geschenke?
Thx
potte