Verlorene Zeiten im Internet
06.08.2009
Ein Sprichwort sagt, wir können Zeit weder verlieren noch gewinnen. In der Tat, gegen den Lauf der Zeit sind wir machtlos, wir können die Zeit nicht anhalten. Was wir aber beeinflussen können, ist, wie wir die Zeit verbringen. Wir können sie sinnvoll oder weniger sinnvoll nutzen.
Vor wenigen Tagen ist bekannt geworden, dass genau jene Person, die das Zeitalter der Informatik am meisten geprägt hat, ihr Profil aus dem sozielen Netzwerk Facebook gelöscht hat. Bill Gates hat diesen Schritt getan, der Grund dafür ist sehr simpel: er war nicht mehr in der Lage, sein Profil zu verwalten. Die Unmengen an Freundschaftsanträgen waren nicht mehr zu bewältigen, es wäre zu viel sinnlos vergeudete Zeit, all diese virtuellen sozialen Kontakte zu „pflegen“ und zu ordnen. Solche Worte aus dem Mund eines Mannes zu hören, der sein Leben der Informatik gewidmet hat, das kann schon nachdenklich machen.
Er ist nicht der einzige, der sich zu diesem Schritt entschlossen hat. Viele andere Prominente sind müde von Facebook, zum Beispiel der Schriftsteller Nicolò Ammaniti, der Komiker Paolo Kissisoglu oder die bekannte Fernsehmoderatorin Daria Bignardi. Ihre Motivation, aus Facebook auszusteigen, waren die Massen an Anfragen von Personen, die sie noch nie in ihrem Leben gesehen haben. Es ging nicht um die Qualität der Freundschaften, sondern um die Quantität.
Es gibt neben dem Problem der Massenanfragen einen weiteren Aspekt, der zur Skepsis veranlasst: der Umgang mit der Privacy in solchen sozialen Netzwerken. Wohl nicht aus purem Zufall lauten die wichtigsten Richtlinien beim Erstellen eines Profils in Facebook ungefähr so:
Wie kannst du deinen Namen aus den Suchergebnissen von Google entfernen?
Wie kannst du deinen Namen aus den Suchergebnissen von Facebook entfernen?
Wie kannst du es vermeiden, dass peinliche Fotos von dir veröffentlicht werden?
Wie kannst du es vermeiden, dass ungewollte Einträge auf deiner Pinwand erscheinen?
Wie kannst du es vermeiden, dass du in Facebook beleidigt oder diffamiert wirst?
...
Die Verwalter von Facebook weisen auch noch darauf hin, dass es nicht möglich ist, die eingegebenen Daten hundertprozentig zu kontrollieren. Es wird appelliert, vorsichtig zu sein und sich bewusst zu sein, dass man alles, was man im Netz veröffentlicht, nicht so kontrollieren kann, wie man es gerne hätte.
Fakt ist, dass die eingegebenen Daten Eigentum von Facebook sind.
Nichts desto trotz wachsen diese sozialen Netzwerke ununterbrochen und in einem beeindruckenden Tempo. Irgendwie auch verständlich, denn was gibt es Verlockenderes als Freundschaften?
Bleibt nur zu wünschen, dass die neue Generation der „Internauten“ nicht die Lust auf den Kontakt zu Menschen aus Fleisch und Blut verliert, zu Menschen, die ihr real gegenüber sitzen ...