Immer wieder samstags
15.09.2010
Unter Dauerbeschallung aus den Boxen watschelt man über einen klebrigen Boden und bleibt mit den Schuhen fast hängen, wobei watscheln schon eine zu liebliche Umschreibung ist. Viel eher wackelt man sich langsam voran, Schritt für Schritt und sucht halt, ob an einem Menschen oder der Wand, egal. Das Ziel immer klar vor Augen: die Theke, für einen letzten Schnaps. Klar vor Augen? Wohl eher nicht, die Klarheit in Kopf und Wahrnehmung hat man schon früher am Abend hinter sich gelassen, der Blick ist nur noch leer und stumpf. Auch das wohlige Gefühl und das angenehme Kreisen der Gedanken ist vergangen.
Der Redefluss, der mit den ersten Bier einsetze wich nach einigen Getränken mehr einem sich langsam verstärkendem Lallen. Mit wem man bisher alles gesprochen hat ist schon jetzt unklar, ob man sich daneben benommen hat, egal, wahrscheinlich ist morgen eh der halbe Abend im Dunkel des Vergessens verschwunden und hat einem schweren Kopf Platz gemacht.
So oder so ähnlich erleben viele Jugendliche einen durchschnittlichen Samstagabend. Auf einer Skala liegt er irgendwo zwischen einen leichtem Schwips und Komasaufen. Fragen die einem in den Sinn kommen sind, warum wird soviel getrunken? Ist Kontrollverlust und der Rauschzustand so erstrebenswert? Wo sollten Grenzen liegen? Grundsätzlich ist Alkohol nicht negativ, er ist in unserer Kultur akzeptiert und der Konsum historisch verankert. Die gesetzlichen Regelungen sind klar und ab 16 Jahren steht es einem jeden frei, Alkohol zu genießen. Doch angefangen bei der obigen Schilderung bis zu den Einlieferungen ins Krankenhaus und Komatrinken, von denen man immer wieder in Zeitungen liest, wird der Konsum problematisch. Er kann körperliche und seelische Schäden nach sich ziehen und führt oft auch zu sozialen Problemen in der Schule oder in der Arbeit und in der Familie, zudem ist er auch noch ziemlich teuer. Wohl niemand will ins Krankenhaus kommen, seine Gesundheit dauerhaft gefährden oder der Alkoholsucht zum Opfer fallen.
Trotzdem gibt es Gründe warum Jugendliche trinken und die sind so vielfältig, wie oft auch offensichtlich. Die Liste ist lang, von Gruppenzwang über Liebeskummer bis zur Langeweile. Oft will man auch einfach nur Spaß haben und die Welt, samt ihrer Probleme hinter sich zurücklassen, sich „cool“ und stark fühlen oder ist neugierig auf das Rauschgefühl. Wohl ein jeder der sich schon einmal betrunken hat findet sich im einen oder anderen Punkt wieder.
Ob ein solcher Grund ausreicht, sich zu betrinken, wie weit man gehen will und wie oft man sich betrinken will ist einem jeden selbst überlassen. Doch sollte man sich, im Anbetracht der Probleme und Gefahren, die übertriebener Alkoholkonsum mit sich bringt, Gedanken machen warum man trinkt, ob es keine Alternativen gibt um Spaß zu haben oder auch mit Problemen fertig zu werden und ob man den Rauschzustand wirklich immer wieder braucht.