Wege aus der Niedergeschlagenheit
18.02.2010
Wenn wir unter Niedergeschlagenheit leiden, dann zieht ein ganzer Strom von negativen Gedanken an uns vorbei. Wir sehen schon von vorne herein alle unsere Vorhaben scheitern, wir sind fest davon überzeugt, dass sie scheitern müssen - denn schließlich sind wir unfähig. Jeder Anlass ist gut genug, um unsere schlimmsten Befürchtungen zu bestätigen.
So entwickeln sich innere Monologe wie zum Beispiel dieser: Eine Mitschülerin ist am Morgen ohne aufzublicken an uns vorübergegangen. Grußlos. Vermutlich will sie sich rächen. Aber nein, dafür hat sie keinen Grund. Vermutlich kann sie mich einfach nicht leiden, ihr Verhalten beweist es. Und hat sie nicht sogar Recht? Eigentlich bin ich ja wirklich nicht die Sympathie in Person. Schon allein wie meine Stimme klingt. Wäre es also besser, heute gar nicht in den Pausenhof zu gehen? So nerve ich nicht auch noch die anderen mit meiner Anwesenheit ...
Vielfach haben wir uns an solche Gedankenketten schon so gewöhnt, dass sie bereits automatisch durch unser Hirn rattern. Deshalb gilt es als erstes, aufmerksam auf sie zu werden. Dazu gibt es verschiedene Strategien. Besonders wirkungsvoll ist es, wenn wir all unsere Befürchtungen, Selbstvorwürfe und Zweifel aufschreiben. Anfangs erschrickt man oft, wie viel da zusammen kommt. Aber bereits das Niederschreiben der Probleme, die wir uns selbst bereiten, trägt dazu bei, sie loszuwerden. Gleichzeitig werden unsere Vorstellungen von einer düsteren Zukunft und der eigenen Wertlosigkeit greifbar. Was schwarz auf weiß auf dem Papier steht, ist viel fassbarer und damit auch leichter zu prüfen als Ideen, die wir nur im Kopf herumwälzen.
Der Trick besteht darin, uns von diesen düsteren Phantasien in dem Augenblick abzuwenden, in dem wir sie bemerken. Das kann gelingen, indem wir unsere Aufmerksamkeit sofort einem anderen Gegenstand zuwenden und wir uns mit den Negativgedanken keinen Moment länger befassen. Manchmal ist das nicht so leicht, denn manche Befürchtungen drängen immer wieder mit Macht in unser Bewusstsein. In diesem Fall hilft es auch noch aufzuschreiben, was gegen unsere finsteren Annahmen spricht. Vermutlich hatte die Mitschülerin einfach nur einen schlechten Tag oder ihren Kopf gerade ganz woanders ...
Niemand muss befürchten, ab sofort immer mit Stift und Block seinen depressiven Vorstellungen auflauern zu müssen. Das Aufschreiben ist nur eine Anfangshilfe. Ziemlich schnell wird die Kontrolle der quälenden Gedanken und Empfindungen zur Gewohnheit. Unsere Gehirnzellen werden durch diese Vorgehensweise neu programmiert und trainiert und schaffen es dann innerhalb von Bruchteilen von Sekunden die Kontrolle über die negative Gedanken und Emotionen zu haben. In dem Maße, wie diese Fähigkeit zunimmt, verschwinden auch die bitteren Gefühle.