Schüchtern sein 2
15.04.2011
Im ersten Artikel zum Thema Schüchternheit haben wir gesehen, dass schüchtern sein mit ganz bestimmten Verhaltensweisen verbunden ist. An diesen Verhaltensweisen können wir etwas ändern, dafür müssen wir keine außergewöhnlichen Fähigkeiten besitzen. Schüchternheit abzubauen könnte man mit dem Erlernen einer Sportart, eines Instruments oder einer Sprache vergleichen: es ist ein Experiment, bei dem wir etwas ausprobieren und dann bemerken, dass wir es schaffen.
Eine wichtige Voraussetzung ist, dass wir neugierig darauf sein müssen, was nach unserer Verhaltensänderung passiert. Wichtig ist auch, dass wir uns nicht immer sicher und geborgen fühlen wollen, sondern wir bereit sind, uns
Gefühlen wie Angst und Nervosität zu stellen. Wenn wir
Angst überwinden wollen, dann verstärkt sie sich zunächst einmal, aber je mehr wir
neue Verhaltensweisen ausprobieren und uns daran gewöhnen, desto mehr verschwinden auch die Ängste.
Kleine Schritte sind wichtig.
Es heißt, die kleinen Schritte sind die größten, die wir machen können. Wenn wir etwas gegen unsere Schüchternheit tun wollen, dann sollten wir uns diesen Spruch ganz besonders zu Herzen nehmen. Unsere Verhaltensweisen von heute auf morgen komplett umzukrempeln, das wäre unrealistisch. Kleine Schritte sind also angesagt. Das könnten zum Beispiel sein:
- In einem Geschäft nach dem Preis eines Produktes zu fragen
- Nein zu sagen, wenn jemand uns um etwas bittet
- Jemandem länger in die Augen zu schauen als gewöhnlich
- Sich in dieser Woche im Unterricht einmal zu melden
- Jemanden um Hilfe zu bitten
- Mit lauter Stimme eine Pizza zu bestellen
- ...
Wenn du dich für einen Schritt entschieden hast und du ihn auch umsetzt, dann sind folgende Punkte wichtig:
Halte durch. Wir selbst bemerken oft erst viel später als die anderen, dass wir Fortschritte gemacht haben. Deshalb ist es wichtig, dass du weiter machst, auch wenn du das Gefühl hast, dass es noch keine oder nur eine sehr langsame Veränderung gibt. Wenn du nicht aufhörst, wirst du am Ende dein Problem überwunden haben.
Lobe dich. Wenn du etwas tust, dann lobe dich dafür. Es ist ein Erfolg, wenn du mit lauter Stimme eine Pizza bestellt hast. Oder wenn du jemandem länger in die Augen gesehen hast als sonst. Du bist bist ein Risiko eingegangen bzw. über deinen Schatten gesprungen. Lobe dich dafür und klopf dir selbst auf die Schulter. Und lass dich auch von anderen loben.
Schreib dir deine Erfolge in ein Notizbuch. Schreibe jeden Abend auf, was du tagsüber geschafft hast und welche positiven Erlebnisse du hattest. Diese Notizen sind der Beweis dafür, dass du etwas kannst und du im Leben vieles erreichst. Du kannst dir dann nicht mehr vormachen, dass du ein Loser bist.
Sei gefasst auf Rückschläge. Es kann sein, dass du auf deinem Weg, die Schüchternheit los zu werden, das Bedürfnis hast, dich wieder in die "sichere Zone der Schüchternheit" zurückzuziehen. Vielleicht erscheint es dir leichter, den Dingen, die dir schwer fallen aus dem Weg zu gehen. Das ist normal. Alle, die Neues ausprobieren, wollen auch einmal aufgeben. Doch denk daran, wie es dir geht, wenn du nicht mehr das tust, was du gerne tun würdest: wenn du dich im Unterricht nicht meldest, wenn du keine Pizza bestellst, wenn du in deinem Freundeskreis immer schweigst, wenn du deinem Schwarm nie in die Augen schaust usw.
Wie schon gesagt, es dauert seine Zeit, bis wir alte Gewohnheiten und Verhaltensweisen überwunden haben. Aber wenn du sie einmal gebrochen hast, so kannst du es wieder tun.
Also: halte durch!