Extraversion: das Talent zum Glücklichsein
08.07.2011
Extravertierte Menschen werden oft beneidet. Um ihre Energie, ihr Kommunikationstalent, ihr selbstbewusstes Auftreten, ihren Frohsinn. Vielfach wurde und wird Extravertiertheit als feste Persönlichkeitseigenschaft gesehen. Doch dem ist nicht so. Auch introvertierte Menschen können sich in dieser „Kunst des Glücklichseins“ üben.
Extravertierte besitzen geradezu ein Abonnement aufs Glücklichsein. Sie suchen gezielt nach solchen Situationen, die eine Art Wohlfühlcharakter haben, von denen sie sich angenehme Gefühle versprechen und die dazu beitragen, die Laune zu heben. Häufig finden sie es in der Geselligkeit, aber auch aus „einsamen“ Vergnügungen, wie zum Beispiel einem allein verbrachten gemütlichen Fernsehabend, können sie Glückliches und Positives abgewinnen. Extravertierte Menschen handeln also auf eine Weise, die nicht nur nach außen gut ankommt, sondern die sich auch in ihrem Inneren höchst angenehm anfühlt.
Selbst wenn extravertierte Menschen mal traurig und niedergeschlagen sind, gelingt es ihnen gut, sich selbst gezielt in eine gute Stimmung zu versetzen, und zwar indem sie sich belohnen und etwas unternehmen, was ihnen Spaß macht.
Dieser Gute-Stimmung-Stil ist jedoch für alle trainierbar. Es ist möglich, dass man sich selbst dazu erzieht, sich in eine bessere Laune und in eine extravertierte Welthaltung zu bringen, wenn man mal einen Durchhänger hat. Und das erklärt sich folgendermaßen:
Lange Zeit behauptete man, extravertierte Menschen seien von ihrem Wesen her nach außen gerichtet; im Gegensatz zu den Introvertierten, die von ihrem Wesen her nach innen gekehrt sind und lieber in sich selbst hinein hören. Extraversion bzw. Introversion galten also als feste Persönlichkeitseigenschaften. Inzwischen betrachtet man sie aber als seelischen Zustand, der bei jedem Menschen in unterschiedlichem Rhythmus auftritt. Anders ausgedrückt: auch Extravertierte haben ihre introvertierten Momente, und Introvertierte sind bisweilen durchaus extrovertiert.
Introvertierte genießen diese extravertierten Augenblicke, denn diese sind fast immer Momente des Wohlbefindens. Das heißt aber nicht, dass sie in ihren introvertierten Momenten leiden. Introversion ist zwar weniger euphorisch, aber deshalb kein negativer Gemütszustand. Wenn ihnen auch nicht die überschäumende Lebhaftigkeit des Extravertierten eigen ist, so sind Introvertierte doch nicht unglücklich oder pessimistisch.
Extraversion ist keine moralische oder sonstwie überlegene Haltung. Sie ist bloß ein angenehmer Zustand, den man sich auch als introvertierte Person gönnen darf – nicht, um ein anderer Mensch zu werden, sondern um sich einfach ab und zu besser gelaunt und seinen Mitmenschen näher zu fühlen.