Beraterchat: Jugendliche und Aids
07.02.2011
"In Südtirol stecken sich vermehrt Jugendliche mit dem HI-Virus an. Im Jahr 2010 waren unter den etwa 20 Neu-Infizierten sechs Minderjährige." Diese Nachricht hat im Jänner nicht nur für viel Aufmerksamkeit gesorgt, sie zeigt auch, wie wichtig es wäre bzw. ist, das Thema Aids viel häufiger ins Bewusstsein der Menschen und im besonderen der Jugendlichen zu rücken und jeder Gleichgültigkeit entgegen zu wirken.
Die Krankheit Aids hat ja
längst nicht mehr mit einer bestimmten Risikogruppe zu tun, sondern viel mehr mit einem bestimmten
Risikoverhalten, zum Beispiel ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partner/innen. Daher ist es sehr wichtig, dass gerade auch Jugendliche rechtzeitig und umfassend über HIV und Aids
Bescheid wissen und sie darüber informiert sind, wie sie sich vor einer Ansteckung schützen können.
Jugendliche haben ein natürliches Bedürfnis, die eigene Sexualität zu entdecken. Wenn dieses Bedürfnis mit einer sehr spärlichen oder gar keinen sexuellen bzw. gesundheitlichen
Aufklärung einhergeht, dann sind Jugendliche gefährdet. Zudem darf nicht vergessen werden, dass in Italien jede Person das Recht hat, ab dem Alter von 14 Jahren ihre Sexualität mit einem Partner/einer Partnerin zu leben, und mit 13 können Jugendliche dies tun, wenn der/die andere nicht älter als 16 ist.
Es hat sich gezeigt, dass jene
Anti-Aids-Programme, die sich allein auf den Aufruf zur sexuellen Enthaltsamkeit beschränken, nicht funktionieren. Sexualität ist eine Form von lebendiger Energie, die in jeder Lebensphase vorhanden ist. Sie ist verbunden mit Freude, und die Natur hat dafür gesorgt, dass sie einer der intensivsten Momente im Leben sein kann. Diese Freude unterdrücken zu wollen, ist also nicht nur fraglich, sondern auch schwer möglich. Das Problem Aids kann nicht bewältigt werden, indem man der ganzen Welt einfach sexuelle Enthaltsamkeit „verschreibt“. Das ist unrealistisch. Was sehr wohl funktioniert, ist der Gebrauch von
Kondomen. Es geht dabei nicht darum, das Kondom als einziges Mittel der Prävention zu propagieren, sondern es als eine Möglichkeit im
bewussten Umgang mit der eigenen Sexualität und Gesundheit einzusetzen.
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Michael von der Jugendberatungsstelle
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