Warten auf das große Glück?
18.11.2011
Jeder wünscht sich, dass das große Glück an die eigene Haustür klopft. Am besten in Form eines möglichst großen Geldgewinns. Nicht eine, nicht zwei, sondern hunderte von Millionen Euro sollen es sein. Und was würdest du dann tun?
Auf diese Frage hat jeder eine schnelle Antwort parat, eine Antwort, die in unzähligen Tagträumen und Phantasiereisen durchdacht und zurecht gezimmert wurde.
Es gibt jene Menschen, die ohne zu zögern ihre Arbeit aufgeben würden, sich ein nobles Haus, viele Autos, luxuriöse Jachten und noch viele andere materielle Güter kaufen würden, um ein ausschweifendes Leben zu führen.
Dann gibt es jene, die etwas vorsichtiger sind und die sich Gedanken darüber machen, ob die Veränderung, die so viel Geld mit sich bringen würde, nicht auch negative Effekte auf das Leben haben könnte. Sie fragen sich, wie Verwandte, Freunde und Bekannte wohl reagieren würden. Aus der Befürchtung heraus, dass sich die Beziehungen verschlechtern könnten, überlegen sie, jedem seiner Lieben etwas von dem Geld zukommen zu lassen. So wäre dann zumindest ein bisschen Ausgleich und Gerechtigkeit geschaffen.
Wieder andere, die ganz Vorsichtigen, denken nicht mal im leisesten daran, die Arbeit sofort aufzugeben. Sie haben Angst, dass ihnen langweilig werden könnte, dass sie nicht mehr wüssten, was mit der freien Zeit anfangen, dass sie den Sinn der eigenen Existenz verlieren könnten.
Wenn man also über die Nebenwirkungen eines Millionengewinns nachdenkt, dann kommt der Verdacht auf, dass Glück sich nicht nur in Form von Geld zeigt. Oder ist es etwa kein Glück, Freunde zu haben, im wohlhabendsten Teil dieser Erde geboren zu sein, die Schule besuchen zu können, eine Familie, ein Gesundheitssystem, eine Arbeit zu haben …? Sind all diese Dinge, die wir tagtäglich vor der Nase haben, nicht etwa Glück?
Und es gibt da noch eine andere Frage. Existiert das große Glück, das sich jeder erhofft, überhaupt? Angenommen, die die Antwort wäre ja, hätte es einen Sinn, darauf zu warten, bis es an unsere Tür klopft?
Die Zeitungen verraten uns nicht, wie viel die Menschen für SuperEnalotto, Gratta e vinci und andere Glückslose und -spiele ausgeben. Allein im Jahr 2009 haben die Italiener ca. fünfzig Milliarden Euro dafür ausgegeben! Eine astronomische Summe, die die italienischen Lotterien zum fünftgrößten Industriebetrieb Italiens machen.
Darüber kann man sich schwer freuen, denn diese Gelder sind kein Geschenk des Staates an seine Bürger, sondern im Gegenteil, diese Summe haben die italienischen Familien ausgegeben, um eine sinnlose Hoffnung aufrechtzuerhalten.
Der rasante Anstieg der Spieler ist Ausdruck eines großen sozialen Unwohlseins und ein deutliches Zeichen dafür, dass die Lebensumstände sich verschlechtert haben. Vor allem die schwächeren sozialen Schichten, sehen oft keinen anderen Weg zu überleben, als den, sich an das große Glück zu klammern. Leider tun sie damit nichts anderes, als ihre ohnehin schon schlechten finanziellen Bedingungen noch mehr zu verschlechtern. Denn das Glücksspiel ist immer so angelegt, dass der Betreiber gewinnt und der Spieler verliert.
Das Glück sucht dich nicht. Niemals. Deshalb ist es vielversprechender, selbst etwas zu tun und die eigenen Lebensumstände zu verbessern. Das Glück findet man nicht, indem man ganz einfach und ohne jegliche Anstrengung einen Lottoschein ausfüllt. Einem solchen Akt fehlt das Grundlegende, das dem Leben Substanz gibt, nämlich die Anstrengung und das Opfer, der Schweiß auf unserer Stirn, das Kämpfen, die Verbesserung das Lebens - aus eigener Kraft geschafft.