Mehr, mehr, immer mehr!
08.08.2010
Sammeln gehört zu den frühesten bekannten Aktivitäten der Menschen. Seit jeher sammeln, horten und tauschen die Menschen. War das Sammeln früher eine lebensnotwendige Aktivität, so hat es sich inzwischen zu einem Hobby bzw. zu einer Leidenschaft entwickelt. Kaum jemand bleibt von der Sammelwut verschont. Ob jung oder alt, Mädchen oder Junge, arm oder reich, Professor oder Schülerin – es gibt kaum jemanden, der nicht irgendwann einmal irgendetwas gesammelt und gehortet hat.
Im Grunde beginnt es schon bei den Jüngsten. Zunächst starten die Eltern mit einem Sammelsurium von Plüschtieren, Puppen oder anderem Spielzeug, die Kinder zelebrieren das Sammeln dann weiter. Irgendwann wird gezielter gesammelt, dann muss es z.B. der Teddybär einer ganz bestimmten Marke sein.
Mit dem Alter verändert sich das Sammelinteresse dann. Das Leben kreist nicht mehr um Playmobil oder Diddl, sondern es dreht sich alles um Artikel des Lieblingsstars, jeder Schnipsel wird gesammelt. Dann heißt es beispielsweise: Tausche alles von Lady Gaga gegen alles von Shakira.
Manchen ist vielleicht gar nicht bewusst, dass auch sie zur Gemeinschaft der eifrigen Sammler/innen gehören. Sie denken, Sammeln habe nur etwas mit Briefmarken oder Münzen und schrägen Sammlertypen zu tun. Sie übersehen dabei, dass sie z.B. aus jedem Urlaub einen Stein mitnehmen und ihn zu den hundert anderen Steinen im Bad legen.
Ganz egal, was man sammelt, ob Miniatur-Autos, Sammelbildchen, Bücher, Bierdeckel, Gartenzwerge, Uhren, Schallplatten, Gemälde oder Parfümfläschchen, für so gut wie jede Sammlung finden sich Gleichgesinnte - und das Austauschen der Gegenstände macht die Sammler/innen glücklich!
Wer sich auch an der Sammelwut der Menschen erfreut, ist der Handel und die Werbeartikelindustrie. Da werden freiwillig und voller Elan Punkte gesammelt, um eine „Treueprämie“zu erhalten, es werden alle erdenklichen Artikel zu Spiderman oder Star Wars gekauft. Auch so mancher Internetbetreiber profitiert von der Sammelleidenschaft der Menschen, und sei es beim Sammeln von Freunden in den sozialen Netzwerken.
Das Sammeln, Horten und Tauschen kann auch ausufern und so zu einem Problem für die Sammler/innen und ihre Angehörigen werden. Der Preis, den sie für ihre Leidenschaft zahlen, ist oft im doppelten Sinne des Wortes sehr hoch. Sammler/innen werden zu „Messies“, also Menschen, die ihre ausufernden Sammlungen nicht mehr beherrschen können und sich ihrer selbst produzierten Unordnung und Anhäufung von Dingen mehr oder weniger willenlos ergeben. Die Sammelobjekte nehmen immer mehr Platz in der Wohnung ein und das Leben der Sammler/innen wird oft vollständig von diesem „Hobby“ beherrscht. Häufig verzichten diese Menschen auf soziale Kontakte und vereinsamen. Sie sind allein zwischen tausend Zinnsoldaten oder Bierdeckeln oder Zeitungen oder Muscheln ...