Freundschaft in Krise
22.07.2010
Wenn eine Freundschaft in Krise gerät...
Freundschaften sind wichtig, sie begleiten uns durchs ganze Leben. Man ist füreinander da, unternimmt Sachen, macht sich gegenseitig Mut, verbringt viele Stunden gemeinsam. Manchmal können Freundschaften aber auch ganz schön kompliziert sein und einem sogar das Herz brechen.
Was macht eine Freundschaft eigentlich zur Freundschaft? Das ist keine einfache Frage. Ist es das stundenlange Telefonieren über alles und nichts? Ist es das Zusammensitzen in jeder freien Minute? Ist es der Umstand, dass man jederzeit alles vom anderen haben kann, ob die Jeansjacke, den iPod oder die Matheaufgabe?
Früher ging es in Freundschaften vor allem um eine gegenseitige praktische Hilfe. In der heutigen Gesellschaft beruht Freundschaft mehr auf einer gefühlsmäßigen Verbundenheit. Die Telefonfreundin liegt uns demnach um einiges näher als die Freundin, die uns ihre Jacke leiht.
Vor allem Mädchen pflegen mit ihrer besten Freundin eine große Nähe. Sie verbringen sehr viel Zeit zusammen, sie reden über intimste Themen und erleben vieles gemeinsam. Diese Fürsorglichkeit und Nähe – ob real oder virtuell – lässt ein großes Verbundenheitsgefühl entstehen und man hat den Eindruck, dass diese Freundschaft nie kaputtgehen kann. Doch plötzlich gibt es Momente, in denen eine Freundschaft hart auf die Probe gestellt wird und es zur Krise kommt.
Ein solcher Moment kann zum Beispiel sein, wenn sich eine der beiden Freundinnen verliebt. Da ist es erst mal aus mit den täglichen stundenlangen Telefonaten, mit den unzähligen sms oder dem ständigen hin- und her mailen. Die Folge sind dann oft unschöne Eifersuchtsszenen und gegenseitige Vorwürfe. Denn während die eine sich verlassen und verraten fühlt, schwankt die andere zwischen Schuldgefühlen und Trotzreaktionen hin und her. Diese Phase ist für beide meist sehr schmerzhaft. Wenn eine Freundschaft tatsächlich zerbricht, dann gibt es einen Trennungsschmerz wie bei einer zerbrochenen Liebe.
Was kann man tun, wenn man in so eine Situation gerät? Wichtig ist, sich darüber im Klaren zu sein, dass die Freundschaft kein fixes Gebilde ist, sondern sich ständig verändert. Mal gibt es Nähe, mal gibt es Distanz, und die bedeutet nicht automatisch das Aus einer Freundschaft. Im Gegenteil, in solchen Phasen können Freundschaften sogar wachsen. Und zwar indem man redet, sich gegenseitig versucht zu verstehen und auch loslässt. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass man seine eigenen Gefühle auch mal zurückstellen kann.
Im Grunde will ja keine von beiden die andere absichtlich verletzen. Es ist nur die Veränderung, die so schmerzt. Also, wenn man einer Freundschaft eine Chance geben will, dann ist es besser, sich der Auseinandersetzung zu stellen und nicht aufeinander rumzuhacken und sich in Eifersucht und Vorwürfen zu verstricken.