"Die drehen durch, wenn sie das erfahren!"
31.10.2008
Mit „Die“ sind die Eltern gemeint. Mit solchen Aussagen wenden sich Mädchen an die Beratungsstelle Young+Direct. Die Rede ist von Teenager-Schwangerschaften, wenn Mädchen jung und ungewollt schwanger wurden. Trotz verstärkter sexueller Aufklärung und dem Zugang zu Verhütungsmitteln, werden nach wie vor Minderjährige ungewollt schwanger. Finden sich Mädchen in einer solchen Situation, plagt sie meistens die Angst und die Frage: „Wie kann ich es meinen Eltern sagen und wie soll es nun weitergehen?“ Daran reihen sich Fragen wie: „Will ich überhaupt ein Kind bekommen? Was passiert mit meiner Zukunft, mit meiner Schule? Wird mein Freund zu mir halten, wenden sich meine Eltern von mir ab. Was werden die andern über mich denken?...“
Es ist wahrlich keine einfache Entscheidung. Aber wichtig ist, alles der Reihe nach anzugehen. Befindet sich ein Mädchen in einer solchen „Notlage“, ist echte und aufrichtige Unterstützung von allen Seiten gefragt. Belehrende und abwertende Kommentare nützen hier niemandem. Jede Situation ist einzeln und individuell zu betrachten.
Zurück zur - meistens allerersten - Frage: "Wie sage ich es meinen Eltern?"
Mädchen haben schreckliche Angst vor der Reaktion ihrer Eltern. Angst, dass Eltern ausrasten, maßlos enttäuscht sind, dem Mädchen nur Vorwürfe machen oder es verstoßen. Leichter und lieber sprechen die Mädchen mit ihrer besten Freundin darüber, ehe sie sich an die Eltern wenden. Die Reaktion der Eltern hängt auch damit zusammen, wie in der Familie mit dem Thema Sexualität umgegangen wird, ob es ein Tabuthema ist oder ob darüber (halbwegs) offen gesprochen wird.
Für viele Eltern ist eine so frühe Schwangerschaft ihrer Tochter sicherlich erst einmal ein Schock. Sie machen sich große Sorgen um die Zukunft des Mädchens, fühlen sich möglicherweise als (Groß-)Eltern ungewollt in die Pflicht genommen und wissen oft nicht, wie sie mit der Situation richtig umgehen sollen. Zornige Reaktionen sind oft nur ein Ausdruck von Hilflosigkeit.
Mit den Eltern sollte in einer entspannten Atmosphäre gesprochen werden. Ein solches Gespräch kann mit einer Freundin vorher „geübt“ werden, dann ist es nachher mit den Eltern leichter. Manche Mädchen finden es hilfreich, wenn ihre beste Freundin dabei ist oder sonst eine Vertrauensperson. So wie das minderjährige Mädchen im ersten Moment oft mit einem Schock, mit dem nicht wahrhaben wollen auf die Schwangerschaft reagiert, muss man den Eltern auch eine „Reaktions- und Verdauungszeit“ gönnen. Zusammen muss dann überlegt werden, welches die nächsten Schritte sein sollten.
Die Eltern müssen mit einbezogen werden, da sie eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung spielen, ob das Mädchen mit einer Unterstützung rechnen kann, sobald das Kind auf der Welt ist. Es braucht eine warmherzige, verlässliche Person, die das Mädchen unterstützen wird, wenn das Kind da ist. Dabei geht es um Alltagsbewältigung, damit das Mädchen Unterstützung erhält in ihrem Muttersein und andereseits Unterstützung erfährt, um Schule und/oder Ausbildung abschließen zu könnnen.
Ein Beratungsgespräch in einer Familien- bzw. Jugend-Beratungsstelle ist auf jeden Fall hilfreich und wertvoll bei der weiteren Entscheidungsfindung.