Das Kreuz mit den Alten
28.12.2009
Dass Jugendliche über ihre eigenen Eltern schimpfen, sie nervig und spießig finden, an deren Meinung selten ein gutes Haar lassen, ist normal und Teil des Ablösungsprozesses auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Dass Eltern manchmal aber wirklich nerven können und ihre Kinder alles andere als gut behandeln und optimal fördern und begleiten, wissen viele nicht und wird eigentlich auch nie öffentlich gesagt, denn schließlich tun Eltern ihr Bestes... sagt man.
Das das aber nicht immer so ist, erfahren wir immer wieder in zahlreichen Gesprächen mit Jugendlichen. Wenn Jugendliche deprimiert und verängstigt sind, in der Schule nicht mehr leistungsfähig sind oder keine Freunde haben, dann steckt oft ein schwerwiegender Konflikt zu Hause dahinter. Sie erzählen dann von Eltern, die sie erniedrigen und abwerten, die sie unter starkem Leistungsdruck setzen, die ihnen viele, auch ganz banale Dinge verbieten, die sie zum Komplizen gegen den Partner machen und manchmal leider auch körperlich oder sexuell übergriffig werden.
Eltern haben es heutzutage sicher nicht leicht - genauso wenig wie es Kinder und Jugendliche leicht haben. Der einzige Unterschied ist, dass sie die Verantwortung für die Beziehung zu den Kindern und für die Entwicklung der eigenen Kinder haben. Eltern müßten, laut Gesetz, eigentlich alles zu tun, um eine optimale Entwicklung zu gewährleisten, wie z.B. Jugendlichen Freiräume zu geben, ihre Privatsphäre zu respektieren, ihnen Freundschaften zu ermöglichen, ihnen Ruhephasen zu gönnen, ihnen Mitsprache und Entscheidungsbeteiligung zu geben, ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen, und nicht zuletzt sie zu respektieren und zu achten – also ihnen ganz normale Menschenrechte zuzugestehen.
Viele Jugendliche sind ganz erstaunt, wenn wir ihnen sagen, dass Eltern gewisse Dinge nicht dürfen...sie meinen Eltern sind unfehlbar. Kinder und Jugendliche haben das Recht sich zu wehren, wenn sie schlecht behandelt werden, auch oder gerade den eigenen Eltern gegenüber. Und wenn alles Reden nichts nützt, sollen sie sich Unterstützung von außen holen, entweder durch andere Erwachsene wie Verwandte, Bekannte, Lehrer oder bei öffentlichen Einrichtungen wie Sozialdienste oder Beratungsstellen.